Syrische Rebellen in der Türkei

Wenn man sich in diesen Tagen mit der Syrien-Berichterstattung deutscher Zeitungen im Internet beschäftigt, dann fällt auf, wie stark die User-Kommentarforen von Befürwortern des Assad-Regimes beherrscht werden; gefühlt bilden sie die Mehrheit der Schreiber/innen. Das ist in der Türkei völlig anders, obwohl das Land doch der direkte Nachbar Syriens und infolgedessen von der Krise auch viel mehr betroffen ist. In türkischen Zeitungen erscheinen sehr viele Artikel zu dem Thema, auch sehr viele Beiträge der berühmt-berüchtigten Kolumnisten; aber nur wenige hiesige Foristen stellen sich hinter das Assad-Regime. Diese Differenz ist auffällig.

Aus meiner Sicht gibt es dafür Weiterlesen

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Tod am Bau

Es war kein schöner Ort zum Leben und ganz sicher nicht zum Sterben. Drei verkohlte Zeltgerippe im Schlamm zeugen noch immer von der Tragödie, die sich vor einem Monat an diesem Platz in Esenyurt, am westlichen Stadtrand von Istanbul, abgespielt hat. Elf Arbeiter fanden hier den Tod, als Feuer ausbrach in den Nylonzelten, in denen sie übernachteten. Ganz in der Nähe der Kräne und Mischmaschinen.

Es ist eine trostlose Gegend im Schlamm, den die Frühlingssonne zu feinem grauen Staub pulverisieren wird. Links liegt eine Siedlung, in der Wohlhabende hinter hohen Mauern und Stacheldraht wohnen, rechts schnell hochgezogene Hochhäuser. In der Ferne ist ein blauer Schimmer auszumachen: das Marmarameer. Den direkten Meeresblick verstellt Weiterlesen

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Von Tulpen und Touristen

Istanbul ähnelt in vielerlei Hinsicht Berlin, stelle ich erneut fest. Kaum ist der Frühling da, sind die Cafés übervoll, die Menschen holen ihre kurzärmligen T-Shirts aus dem Schrank und verlagern das Leben auf die Straße. Ganz wie im Prenzlauer Berg oder in Neukölln. Natürlich kann der Bosporus nicht mit der Spree konkurrieren, aber es tut gut, aus dem langen, kalten Istanbuler Winter aufzuwachen und die Sonnenbrille aufzusetzen. Kaum vorstellbar, dass es vor vier Wochen Weiterlesen

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Prozess gegen Putschgeneräle

Ein Ereignis bewegt die Türkei seit gestern wie kein anderes: der Beginn des Prozesses gegen die letzten lebenden Putschgeneräle des blutigen Staatsstreiches von 1980. Das Thema ist sicher auch für viele Türkischstämmige in Deutschland emotional hoch aufwühlend, denn damals flüchteten Tausende meist linke und liberale Türken in die Bundesrepublik. Für viele Deutsche waren der Putsch und die folgenden dunklen Jahre ein Grund, die Türkei als Urlaubsland zu boykottieren. Zum Glück hat sich die Türkei seither gewandelt. Bei allem, was man am Ministerpräsidenten Erdoğan kritisieren kann – und es gibt vieles -, mit diesen Schatten der Vergangenheit räumt seine Regierung tatsächlich auf. Sie hat das kemalistische Militär gezähmt und insofern Weiterlesen

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Fußballgeschichten

In der vergangenen Woche hatte ich wieder einmal Gelegenheit, das größte Gerichtsgebäude Europas in Istanbul-Çağlayan, einen gewaltigen Granit- und Glasklotz, zu besuchen, in dem Fotografieren leider verboten ist. Ich ging zum Fußballmanipulationsprozess, dessen dritte Verhandlungswoche stattfand. In der zweiten Verhandlungswoche Anfang März hatte ich einmal erfolglos einen ganzen Vormittag im Gericht verbracht, um in den Saal zu kommen – der Andrang war zu groß gewesen. Einen Tag später hatte ich es dann geschafft, weil ich zu den ersten Besuchern gehörte, die am Morgen eintrafen, natürlich um den Preis wertvoller Stunden Schlafes. Genauso hielten wir es auch dieses Mal, und erneut glückte uns der Zutritt zum wieder überfüllten Prozess. Es war derselbe Saal, in dem neulich auch gegen die prominenten Journalisten Ahmet Şik und Nedim Şener Weiterlesen

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