Bedrohtes Szeneviertel

Der Stadtteil Cihangir, in dem wir leben, gehört zum größeren Stadtviertel Beyoğlu, das rund 245000 Einwohner hat und damit etwa die Größe von Spandau. Nach westdeutschen Maßstäben: eine veritable Großstadt. Beyoğlu ist aber nicht irgendein Viertel von Istanbul, sondern es ist dasjenige, das Touristen meist als zweites oder sogar erstes hier kennenlernen, weil sie nirgends sonst in der Bosporusmetropole so konzentriert das wiederfinden, was ihnen beispielsweise in Deutschland als „aufregendste Stadt Europas“ angepriesen wird: Nachtleben, Cafés, Szene, Shopping, politische Demonstrationen. Die Bausubstanz des Viertels stammt aus dem 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, es ist verwinkelt und verwunschen, und es ist lebendig, weil seine Bewohner Weiterlesen

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Im anatolischen Kreuzberg

Die vergangene Woche habe ich großenteils im äußersten Osten Anatoliens verbracht, in der Provinz Ağrı an der Grenze zum Iran. Dort bin ich den Spuren der beiden kurdischen Großfamilien gefolgt, die in den furchtbaren Mord an Semanur S. in Kreuzberg verstrickt sind, als Opfer- und als Täterfamilien. Die meiste Zeit hielt ich mich auch in Ağrı selbst auf, der Provinzhauptstadt mit knapp 100000 Einwohnern – einen Ort, über den ein Reiseführer, den ich vorher zu Rate zog, schreibt: Wer das Pech habe, hier zu landen, solle zusehen, dass er möglichst schnell Weiterlesen

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Türkische Abtreibungsdebatte

Die Türkei erlebt derzeit ihre erste große Abtreibungsdebatte. Der konservative türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat das Thema scheinbar unvermittelt auf die politische Agenda des Landes gesetzt und damit stürmische Reaktionen provoziert. „Abtreibung ist Mord“, erklärte er kürzlich auf einer Konferenz , und kündigte ein schärferes Gesetz an, um die bisherige, relativ liberale Regelung in der Türkei zu ersetzen. Statt in den ersten zehn Schwangerschaftswochen Weiterlesen

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Abenteuerliche Anklage

Vorgestern herrschte mal wieder Gedränge auf dem Taksim-Platz, dem wichtigsten Demonstrationsort Istanbuls. Diesmal waren es hauptsächlich Nationalisten und Israelhasser, die sich versammelten, um am zweiten Jahrestag an den israelischen Militärangriff auf das türkische Gaza-Hilfsschiff Mavi Marmara am 31. Mai 2010 zu erinnern und gegen Israel zu demonstrieren. „Mavi Marmara ist unsere Ehre“, riefen sie, und „lang lebe Palästina“, schwenkten türkische und Palästina-Fahnen sowie anti-israelische Transparente Weiterlesen

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