„Erdoğan hat immer Recht“

Wenn die Kommunalwahlen in der Türkei eines gezeigt haben, dann dies: Recep Tayyip Erdoğan ist kein gewöhnlicher Politiker mehr – das war er selbstredend nie -, aber er ist auch kein Popstar, wie ihn einige nannten. Er ist in Wahrheit etwas ganz anderes: ein Prophet, ein charismatischer Verführer. Meine Reise nach Zentralanatolien, das Erlebnis des Zweimillionenmarsches für Erdoğan in Istanbul und zuletzt meine Interviews am gestrigen Wahltag an einem Wahllokal und am heutigen Montag auf dem Taksim-Platz haben mich davon überzeugt.

Mit religiösem Wahn kenne ich mich ein bisschen aus, bekanntlich habe ich mich zwei Jahrzehnte lang mit Sekten befasst. Die Anhänger Erdoğans reagieren auf diesen Ministerpräsidenten, als wäre er ein religiöser Führer, bei dem Kritik an seiner Sprache und seinem Tun wie Blasphemie wirkt. In Kayseri sagte eine junge Studentin zu mir: „Für mich hat Erdoğan immer Recht.“

Das habe ich auch von Anhängern Muns, Bhagwans oder Hubbards gehört. Heute erklärte mir ein Geschäftsmann auf dem Taksim-Platz, der eigentlich ganz normal aussah, aber redete wie ein Verrückter: „Wenn Erdoğan in einem Rennen ist, haben die anderen keine Chance. Er ist der größte Mensch auf der Erde. Er sollte nicht nur Präsident, er sollte Sultan werden.“ Und wie oft habe ich gehört, wenn ich Erdoğan-Fans nach den Korruptionsvorwürfen fragte: „Das sind Fälschungen. Falls sie doch wahr sind, dann hat er das Geld nur genommen, um es den Armen zu geben.“ Oder, zweite Version: „Alle Politiker stehlen. Erdogan tut wenigstens etwas für uns.“

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Verdeckte AKP-Werbung am Bauzaun des Gentrifizierungsviertels Tarlabaşı: Erdoğan mit dem Bürgermeister von Beyoğlu, Ahmet Misbah Demircan.

Die immer gleichen Botschaften

Gewiss, der Regierungschef hat seine Verdienste. Er hat vielen unterprivilegierten Menschen Arbeit, neue Wohnungen, Bildung für die Kinder, eine funktionierende Krankenversorgung gebracht. Aber irgendwie müssen diese irrationalen Gedanken und Stereotype in die Köpfe gelangt sein. Es ist bizarr, im 21. Jahrhundert mit einer solch massiven und effektiven Form der Gehirnwäsche konfrontiert zu werden, aber an der Tatsache lässt sich nach meiner Meinung nicht rütteln. Denn die Menschen sind nicht in der Lage, ihre Überzeugungen kritisch zu hinterfragen.

Im Gegenteil, sie reagieren wie Sektenmitglieder auf jede auch nur leichte Form kognitiver Dissonanz (etwa: „Stehlen ist kriminell – der Ministerpräsident stiehlt möglicherweise – das wäre nicht akzeptabel“) mit psychologischen Abschottungsmechanismen, die sie quasi „natürlich“ lernen, weil sie ihnen täglich in audiovisuellen Endlosschleifen in ihrer normalen Umgebung eingetrichtert werden. Sie ignorieren Kritik, drehen sich bei Nachfragen einfach weg, sprechen plötzlich von irgendetwas völlig anderem oder werden sogar aggressiv.

Mit seiner die Menschen überwältigenden Rhetorik gelingt es dem Meister-Manipulator Erdoğan, ihnen die Fähigkeit zur Kritik und Selbstkritik zu nehmen. Die meisten von mir befragten Erdoğan-Anhänger glauben auch immer noch, dass die Lufthansa hinter der Gezi-Bewegung stand, weil sie der Türkei den dritten Istanbuler Flughafen missgönnt.

Wie in Orwells berühmter Dystopie „1984“ lassen sich die allgegenwärtigen Radios und Fernseher nicht ignorieren, aus denen in den vergangenen Wochen die immer gleichen Botschaften auf die Leute einprasselten, von dem begnadeten Redner Erdoğan genau so vorgetragen, wie es Prediger tun: in rhythmisierten Wiederholungen mit hypnotischem Effekt. Tatsächlich war es im Wahlkampf unmöglich, dem charakteristischen Sound seiner Stimme zu entrinnen, in den Geschäften, auf der Straße, im Taxi – bis sie ihm schließlich drei Tage vor der Wahl versagte. Da wundert es irgendwann auch nicht mehr, wenn junge Männer sich weiße Leichentücher überziehen und wie die Wahnsinnigen brüllen: „Tayyip, wir sterben für dich!“

Seine Anhänger nennen ihn nicht länger nur „großer Meister“, sondern bereits „dünya lideri“ (Weltführer) – der islamischen Umma. Und ER, der sich wie andere Führer selbstverständlich gleichsetzt mit der geführten Schar, auch der Nation, sagte auf dem Balkon in der Nacht der Wahl: „Diese Nation ist die Hoffnung der Umma, die Hoffnung der Welt.“

In den Herzen und Köpfen seiner Anhänger geschieht dabei mehr als eine schlichte Übertragung dieses Größenwahns. Es ist echter Glaube im Spiel, wenn der AKP-Abgeordnete aus Bursa, Hüseyin Şahin, allen Ernstes erklärt: „Alleine den Ministerpräsidenten zu berühren, ist ein Gottesdienst.“ Wenn der ehemalige Europaminister Egemen Bağış äußert: „Der Geburtsort des Ministerpräsidenten ist heilig.“ Oder wenn sich der AKP-Abgeordnete Fevai Arslan aus Düzce zu der Aussage versteigt: „Der Ministerpräsident ist wie ein zweiter Prophet.“ Ja, er IST ein Prophet (wenn auch ganz offensichtlich ein falscher).

Die Vergöttlichung des Ministerpräsidenten ist gefährlich und beunruhigend. Ebenso besorgniseerregend wie Erdoğans erstaunliche Fähigkeit, die Bevölkerung (und letztlich auch die Opposition) so zu manipulieren, dass sie eine simple Kommunalwahl als landesweites Referendum über seine Politik und seine Verstrickung in die Korruptionsaffäre akzeptiert. Kaum jemand sprach im Wahlkampf noch über fehlende Grundbuchtitel, schlechte Abwasserleitungen oder die im Sommer drohende Dürre.

Erdoğan transformierte einfach die lokalen in nationale Wahlen und brachte es in diesem Szenario sogar fertig, einen realen Stimmenverlust in einen Sieg umzubiegen. Das ist die hohe Kunst der Desinformation und Manipulation. Bei den letzten Kommunalwahlen 2009 erreichte die AKP 38,8 Prozent der Stimmen, aber bei der Parlamentswahl 2011 waren es 49,8 Prozent. Die gestrigen 45,6 Prozent sind ein schönes Ergebnis – im Vergleich zu 2011 dennoch ein deutlicher Verlust.

Dämonische Feindbilder

45,6 Prozent sind auch nicht, wie Erdoğan es in seiner Ankaraner Balkonrede um Mitternacht suggerierte, die Mehrheit im Land. Die Mehrheit hat ihn nämlich in diesem zur Schicksalswahl hochstilisierten Urnengang ausdrücklich nicht gewählt. Ein Gülen-Anhänger, den ich heute auf die deutlich gewordene Schwäche seiner Bewegung ansprach, erwiderte: „Wenn wir für sie gestimmt hätten, hätte die AKP weit über 50 Prozent erreicht.“ Das mag zutreffen oder auch nicht, anzunehmen ist, dass die Rache Erdoğans dennoch fürchterlich sein wird.

In seiner Balkonrede, deren Dramaturgie ebenfalls wirkte wie aus einem Handbuch für Sektenführer (und an düstere deutsche Erfahrungen erinnerte) nutzte Erdoğan den Moment seines größten Triumphes nicht dazu, versöhnend auf seine geschlagenen Gegner zuzugehen. Nein, er erklärte, sie „bis in ihre Höhlen verfolgen“ und „den Preis bezahlen“ zu lassen. Er drohte ihnen mit „Ausmerzung“ und riet ihnen, rechtzeitig ins Ausland zu fliehen. Aus der Prophetenperspektive ergibt die alttestamentarische Suada noch mehr Sinn – ein Prophet kann keinen anderen neben sich dulden. Es ist damit zu rechnen, dass Erdoğan die Justiz, über die er sich hier wie selbstverständlich das Kommando anmaßte, auf die Gülen-Medien ansetzt und die Gülen-nahen Unternehmer zur Kasse bitten wird. Im Namen des Volkes. Der Today’s Zaman-Kolumnist Emre Uslu ist offenbar bereits untergetaucht. Das sind Verhältnisse wie in einer Diktatur.

Inzwischen polarisiert Erdoğan nicht mehr nur, er baut dämonische Feindbilder auf – der „Parallelstaat“, das Ausland, Twitter und Spione – und erzeugt damit eine Pogromstimmung, wie sie die Redakteure der Gülen-Zeitung Zaman gestern erlebten. Da belagerte ein tausendköpfiger Mob ihr Redaktionshaus in Istanbul und brüllte im Chor: „Wir kommen rein und treiben euch raus!“ Zaman-Redakteure twitterten, dass sie Angst hätten, aber die Polizei sich nicht habe blicken lassen. Auch diese Art der Dämonisierung und Schwarzweißmalerei stammt aus dem Lehrbuch der Sektenführer.

Fehlende demokratische Schutzmechanismen

Für einen Artikel über die Kommunalwahlen telefonierte ich heute auch mit dem britischen, hier in Istanbul lebenden Türkei-Kenner Gareth Jenkins und fragte ihn nach seiner Einschätzung. „Das Resultat ist extrem beunruhigend. Die Menschen entscheiden nicht mehr nach der Realität, sondern danach, wen sie unterstützen, wie bei einem Fußballspiel“, sagte Jenkins. Demokratie, Gewaltenteilung und die Herrschaft des Gesetzes seien für die Regierung offenbar nicht mehr wichtig. Während Erdoğan nach früheren Wahlsiegen versöhnliche Reden gehalten habe, kenne er jetzt nur noch Angriff und Rache. „Das führt zu einer sehr gefährlichen Spaltung der Gesellschaft.“

Jenkins ist der Ansicht, dass die Türkei nicht mehr ins Gleichgewicht kommen werde, so lange Erdoğan sie führe. „Er glaubt wie der ägyptische Muslimbruder-Präsident Mursi, dass ein Sieg bei Wahlen ihm das Recht gibt, zu tun und zu lassen, was immer er will. Früher wäre jetzt der Punkt erreicht, wo das Militär einschreitet, aber das hat Erdoğan ja ausgeschaltet.“ Es war gut, das Militär in die Kasernen zu verbannen, aber es fehlen der Türkei offenbar einige demokratische Schutzmechanismen, wie sie zum Beispiel Deutschland besitzt.

Besonders gefährlich daran ist, dass Erdoğan (wie auch viele religiöse Führer) den Kontakt mit der Realität zumindest teilweise zu verlieren scheint. In seiner aggressiven Balkonrede dankte er zunächst nicht seinen Wählern für ihre Unterstützung, sondern den Palästinensern, den Mazedoniern und den Muslimbrüdern in Ägypten, als wäre die Türkei noch immer ein Hoffnungsträger für die Muslime im Nahen Osten und nicht längst völlig isoliert in der islamischen Welt.

Sein für seine Begriffsstutzigkeit berüchtigter Sohn Bilal, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen Bestechung ermittelt, stand die ganze Zeit winkend neben ihm auf dem Balkon, genau wie andere der Korruption verdächtige Familienmitglieder. Erdoğan wollte der Welt damit offenbar mitteilen: „Wir alle sind jetzt freigesprochen und immun!“ Und die Menge vor dem Balkon jubelte wie von allen guten Geistern verlassen.

Niemals seit Atatürk hatte ein türkischer Regierungschef mehr Macht über die Türken als Erdoğan. Es sieht nicht so aus, als wolle er sie dazu einsetzen, das innerlich gespaltene Land zu versöhnen. Keine guten Perspektiven für die Türkei.

(überarbeitet am Dienstag, 1. April 2014)

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19 Gedanken zu “„Erdoğan hat immer Recht“

  1. Hi und vielen Dank wieder für diesen tollen Bericht direkt vom Krisenherd.
    Ich hab voller Hoffnungen am Sonntagabend die Sendungen von Halk TV, Ulusal und Sokak etc verfolgt und hatte wirklich ne zeitlang die Hoffnung dass sich dieses Volk doch an die demokratischen Grundinstinkte besinnt. Ich weiß dieser Vergleich ist böse, aber die deutliche Merheit steigt mit voller Freude in die Züge zur Deportation ein.

    Die ganze Nacht zum Montag war ich schlaflos und hab innerlich geweint, dass die türkische Nation im freien Fall ins dunkle Mittelalter sich bewegt, weil sie nicht die Realität stehen sondern wie Lemminge hinter ihrem „Führer“ stehen. Vor knapp zwei Jahren bin ich bei einer Buchsignierung Ugur Dündar begegnet und ich habe ihm zugrflüstert warum uns Gott, wenn es denn einen gibt, zB nicht so jemanden wie ihn als Staatsmann gönnt anstelle diesen größenwahnsinnigen Idioten der die Türkei zu einer Möchtegernweltmacht stilisiert und die ganze Welt über uns lacht.

    Jahrelang habe ich im Ausland immer vermittelt, dass die Türken mehr sind als die schnauzbärtigen Viehtreiber, die drei Meter vor ihren Kopftuchfrauen davor laufen und war stolz darauf, dass meine Großmutter seinerzeit auf französisch unterrichtet wurde und ihre Generation davor auch schon emanzipiert war-
    Mein Urgroßvater an der Seite von Atatürk gekämpft hat und die Mehrheit der im Ausland lebenden Türken nicht mit den Türken zu vergleichen sind, die in der Türkei selber leben. Die vergangene Wahl hat mir nun gezeigt, dass leider die Mehrheit in der Türkei nichts mehr gemein haben mit der Türkei, wie ich sie selber in Erinnerung hatte.

    Davon abgesehen, dass in jedem demokrstisch geführten Land so ein Wahldesaster, das gespickt ist mit Manipulation und Stromausfällen und Entwendung von Wählerstimmen etc für ungültig erklärt worden wäre –
    Keine Regierung hätte noch die Existenzberechtigung nach der Veröffentlichung
    von so vielen Korruptionvorfällen. Aber für paar Lira oder nen Sack Reis oder oder nimmt dieses verdummte Volk wohl alles in Kauf- Hauptsache der Oberimam geht regelmäßig beten und erfüllt alle Regeln gemäß dem Koran.

    Bis dato hatte ich ja die Hoffnung dass Europa dem Erdogsn auf die Finger haut- aber leider interessiert sich aus meiner Sicht noch nicht mal der europäische Gerichtshof für die Vorfälle bzw. die übrigen Nationen für das was hier an der Tagesordnung ist.

    Ich bin in großer Angst auf das was kommt. Die Blüten des Aufstandes vom letzten Jahr sind nun endgültig im Feuer dieses wahnsinnigen Diktators zu Asche zerfallen. In diesem Sinne liebe Grüße aus Deutschland 🙁

  2. Die Leute können nicht kritisch urteilen?? Doch das können sie! Sie wissen ganz genau wer ihnen gegenüber feindlich gesinnt ist und wer nicht. Die EU, ihre Journalisten oder Minderheiten in der Türkei. Diese Leute agieren im Desinteresse der Türkei. Das wissen die Menschen ganz genau. (…) Bitte unterlassen Sie Beleidigungen, FN

    • WAS SOLL DENN DAS?! wo hab ich den bitte beleidigt?? Du nimmst einfach nur das raus, was dir angenehem ist! Ich wusste schon das du verlogen bist. Aber das schießt den Vogel ab!

      Diese Einstellung bekräftigt mich in meinem Glauben, das ALLE die gegen Türkei und gegen Erdogan schießen, verlogen und hinterhältig sind. Danke für deinen Beweis.

      Dann auch noch ne Antwort hinterlassen, nachdem nahezu 90% meines Beitrags gelöscht wurde. – Deutscher Vorzeige-Jouranlist!

      • Finden Sie es nicht beleidigend, jemanden zu duzen, den Sie gar nicht kennen? Und dabei noch nicht einmal Ihren Namen anzugeben? Die Zitate in meinem Text sind echt und stammen zum Teil, wie angegeben, von AKP-Politikern („zweiter Prophet“). FN

  3. PS. Erdogan beinahe als einen Diktator darstellen, aber gleichzeitig unbeschwert durch die Türkei schlendern.

    Mach das doch mal in Ägypten oder in Syrien bitte.

    • Werter NoName, was wollen Sie damit sagen? Dass die Türkei noch illiberaler werden soll? Ich halte Erdogan nicht für einen Diktator, ich versuche nur darzustellen, wie er von vielen Menschen hier wahrgenommen wird. Mir fiel einfach auf, wie oft türkische Gesprächspartner ihn als „Propheten“, „Meister“ u.ä. bezeichnen. Und das kam mir bekannt vor. FN

      • Wenn du wirklich gewillt bist eine aufrichtige Diskussion zu führen, dann kürze nicht willkürlich meine Beitrage.

        Du weißt, das der Großteil der AKP-Wähler Moslems sind? Trotzdem behauptest du dass dein/e „Gesprächspartner“ ihn als „Propheten“ bezeichnen würde/n.

        Und dabei erkennst du den Widerspruch nicht?!

  4. Wie sich die Meinungen doch ändern können. Bei diesem Artikel vor einem Jahr sah Ihr Erdogan und Türkeibild noch viel freundlicher aus: http://gruss-vom-bosporus.berliner-zeitung.de/2013/03/11/zehn-jahre-erdogan/
    … Meinen Hinweis darauf, dass man das Ganze auch etwas kritischer sehen müsse und schon 2011 in dem Buch Erdogan, ein Meister der Täuschung veröffentlicht wurde, reagierten Sie etwas unverschämt mit folgenden Worten:

    „FrankN sagte am 12. März 2013 um 11:17 :

    Danke für den Hinweis. Das von Ihnen empfohlene Buch eines ehemaligen Türkei-Expats beruht bedauerlicherweise nicht auf eigener Recherche, sondern ist die Analyse eines ehemaligen deutschen Türkei-Expats. Es ist aber leider das einzige deutschsprachige Buch über Erdogan und daher konkurrenzlos. Der Autor trägt aus deutlich kemalistisch gefärbter Sicht Fakten zusammen, die aber nicht durch eigene journalistische Arbeit oder eigene wissenschaftliche Forschung unterfüttert werden. Ich war von der Lektüre ziemlich enttäuscht. Lesen Sie lieber das Buch des langjährigen Türkei-Korrespondenten der Taz, Jürgen Gottschlich: “Türkei. Ein Land jenseits der Klischees.” FN“

    Jetzt tritt plötzlich so einiges ein, was Herr Fuß in seinem Buch beschrieben hatte. Vielen wollten das lange Zeit nicht wahrhaben, auch Sie nicht!

    Ihre Zeilen entbehren auch jeglicher wissenschaftlicher Forschung und trotzdem ist der Artikel gut. Woher wollen Sie wissen, was Herr Fuß in den sechs Jahren in der Türkei gemacht hat? Waren Sie dabei, wie er recherchiert hat? Nein! Also können Sie auch nicht behaupten, dass keine journalistische Arbeit dahinter stecken würde.

    Das musste ich mal loswerden, nachdem ich in Ihrem Artikel so viele Ähnlichkeiten mit Aussagen feststellen musste, die Herr Fuß schon vor Jahren getroffen hat.

    • Werte/r atr-andrea, wieso Sie meine damalige Antwort „etwas unverschämt“ nennen, erschließt sich mir nicht. Meine Meinung über das Fuß-Buch habe ich nicht geändert. Wie gesagt, es ist meine Meinung. Und ich kann immer noch sehr das Buch des Kollegen Gottschlich empfehlen 🙂 FN

  5. Der Journalist vollkommen recht! Der Erdoğan ist ein skrupelloser Mensch, ob er Diktator ist oder sein kann, dahingestellt. Der kann nicht ganze Türkei hinter sich bringen, nur seine Anhänger. Die Wahlen haben gezeigt mit welchen Mitteln er wählen ließ. Demokratie ist das nicht!

  6. Die Begriffe wie „Türk dostu, Türk düşmanı“ (türkenfreund/türkenfeind)
    gefällt mir nicht. Sobald man die Misstände kritisiert, ist man gegen Türkei..

  7. Als mein Vater im Jahr 2000 allen immer sagte, Zitat: “ Der Erdogan will die Welt islamisieren, was der macht hat mit Politik nichts zu tun. Er will macht! Und so viele leider ungebildete Menschen wie es in der Türkei gibt die eh durch Gehirnwäsche zu Gehorsam des Korans erzogen wurden, so einfach wird es ihm gelingen seine Machenschaften durch zu setzen“
    Damals dachte ich , na da übertreibst du doch ein bisschen….
    Heute denke ich, na mögest du in Frieden ruhen und wie gut, dass du das alles nicht mehr mit bekommst, was in deinem über alles geliebten Istanbul geschied. Als Armenier warst du bereit für Türkei in den Krieg zu gehen, du hast den Wehrdienst gemacht und du bis in Istanbul geboren. Deine Heimat? Nein für einige nicht!

  8. Damals Hitler
    Heute Erdogan

    Damals das Deutsche Volk fast 100 %
    Heute das Türkische Volk nur 45 %

    Unterschied ? Mathematik anwenden.

    • Hallo Oktay Kandoglu, bei den letzten freien Wahlen in der Weimarer Republik im November 1932 stimmten nicht fast 100 Prozent für Hitler, sondern lediglich 33,1 Prozent, und die NSDAP musste erhebliche Verluste hinnehmen. Selbst bei der Reichstagswahl am 5. März 1933, die schon unter dem Eindruck des Reichstagsbrandes und der begonnenen Gleichschaltung stand, erreichte Hitlers NSDAP nur 43,9 Prozent und nicht die absolute Mehrheit der Stimmen. Die Geschichte von Hitlers „Machtergreifung“ ist oft erzählt worden und hat mit vielen Faktoren zu tun. Die Situation in der Türkei ist damit nicht vergleichbar. FN

  9. FrankN

    Damals haben fast 100% aller Deutschen mit gemacht im Krieg.

    Würde heute Erdogan und seine Schergen einen Krieg gegen Syrien anzetteln, wären mindestens 50 % dagegen.

    • Bei Meinungsumfragen sind regelmäßig 70 Prozent und mehr dagegen, und das ist erfreulich. Die Deutschen haben damals unter den Bedingungen der Diktatur und ihrer autoritären Traditionen (Theweleit!) mitgemacht – Gehirnwäsche durch die Nazi-Propaganda eingeschlossen. Heute gibt es auch in der Türkei viele Möglichkeiten, sich unabhängig zu informieren. FN

  10. FrankN

    In den letzten 12 Jahren ist die Türkei unsäglich geworden.
    Die verkappten Islamisten sind eine Gefahr.

    • Hallo Oktay Kandoglu, da kann ich Ihnen nicht zustimmen. Die Türkei ist nach meiner Meinung ein lebens- und liebenswertes Land. Ein politischer Wechsel wäre wünschenswert, wie in jedem demokratisch verfassten Staat, dass es dazu nicht kommt, liegt auch an der schwachen und ideenlosen Opposition. FN

  11. Sehr geehrter Herr Nordhausen,
    nicht Erdogan, sondern Sie haben den Bezug zur Realität verloren. Wie ein „Sektenmitglied“ reihen Sie sich ein in die Manipulationsmaschinerie gegen Erdogan. Sie können noch soviel aus dem Zusammenhang gerissene Zitate einheitlich vortragen und versuchen Erdogan zu dämonisieren. Jedenfalls bei der Mehrheit der Türken in Deutschland und in der Türkei wird es Ihnen nicht gelingen, Ihre (vorgegebene) Meinung zu akzeptieren. Die Türkei ist nicht gespalten, sondern es gibt eine kleine Gruppe von Spalter, die das Land terrorisieren (Gezi-Park) und den demokratisch gewählten Ministerpräsidenten auf undemokratischem Wege (17.12.) zu stürzen. Das haben die Wahlen jetzt gezeigt. Als Journalist müssten Sie doch hinterfragen, Herr Nordhausen, warum die Linksextremen und Faschisten , Gülen-Sekte und Kemalisten sich gegen Erdogan vereinigt haben? Schauen Sie genau auf die Flaggen bei den Gezi-Demonstrationen. PKK, Öcalan, Linksextreme Parteien, etc. Fussball-Hooligans von BJK ,alles dabei! Warum werden manipulierte Telefonmitschnitte des Ministerpräsidenten erst kurz vor den Wahlen veröffentlicht? Ist das nicht komisch? Haben Sie nicht mitbekommen, dass die Verhaftungswellen im Dezember von den Gülenisten organisiert und illegal war? Hinterfragt denn niemand in der deutschen Medienlandschaft, die Aktivitäten der Gülenisten in der Justiz und Polizei? Sie setzen auf das falsche Pferd, Herr Nordhausen!