Public Viewing in Istanbul

Die deutsch-französische Freundschaft lebt! Jedenfalls in Istanbul, unter den Expats. Gestern luden das französische und das deutsche Generalkonsulat gemeinsam zum Public Viewing des Spiels Deutschland-Frankreich in den Garten der französischen Vertretung, die sich in einem schönen alten Gebäudekomplex fast unmittelbar am Taksim-Platz befindet. In der Einladung hieß es, man solle rechtzeitig kommen, um noch Einlass zu finden. Nun ja, das war eine seltsame Aufforderung angesichts der Tatsache, dass die Fans erst ab einer halben Stunde vor Spielbeginn eingelassen wurden.

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Entsprechend bildete sich eine lange Schlange vor dem Konsulat, die absurd langsam vorrückte, da die Sicherheitskräfte nur über einen einzigen Röntgendetektor zum Durchleuchten von Taschen und Rucksäcken verfügten. Erstaunlicherweise fanden sich unter den Fußballfreunden nicht nur die Istanbuler Franzosen und Deutschen, sondern auch eine stattliche Anzahl türkischer Fans. Zu Unmutsäußerungen kam es nicht, denn die Schlange bot viel Gelegenheit zum Socializing.

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Rechts das französische Generalkonsulat, in dem sich ein wunderbares Gartenlokal verbirgt.
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Einladungsplakat zum Spiel.
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Der Eingang war geschmückt mit der deutschen und der französischen Fahne.

Kaum hatte ich mich eingereiht, traf ich alte Bekannte und lernte neue kennen, darunter einen deutschen Geschäftsmann, der türkische Firmen in Nachhaltigkeitsfragen berät und ein Nachhaltigkeitskonzept für das neue Beşiktaş-Stadion entworfen hat (wenn ich ihn richtig verstanden habe). Woran man sieht, dass es keine journalistisch unergiebigen Lagen gibt. Da unser Beruf bekanntlich vom Leben als solchem handelt, existiert nichts, das nicht von Interesse wäre – und manchmal noch etwas mehr.

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Public Viewing in der Schlange.
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Und schon hatten wir die Hälfte der Schlange geschafft. Es war der Moment, als das Spiel angepfiffen wurde. Wie gut, dass es moderne Kommunikationsmittel gibt! Ein pfiffiger Mitwartender holte sein I-Pad aus der Tasche und lud zum Public Viewing noch vor dem eigentlichen Public Viewing. Das Tor von Mats Hummels sahen wir im Guckloch-Format.

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Fast geschafft!

Als ich endlich in den Garten des Konsulats trat, war dieser schon gut gefüllt, alle Stühle besetzt und viele Stehplätze vergeben. Das Catering war ausgewogen. Deutscher Beitrag: Bier vom Fass (Efes). Französische Note: Leckere Käsebaguettes.

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Unsere französischen Freunde waren in der ersten Halbzeit noch hoffnungsfroh und fröhlich.
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Deutsch-türkische Freundschaft!
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Dann traf ich noch französische Freundinnen, und wir redeten mehr, als wir dem Spiel folgten. Ohnehin war das Wesentliche ja schon gelaufen, auch wenn sich die blau-rot-weißen Fans mit gelegentlichen „Allez les Bleus!“-Rufen aufzumuntern versuchten. Unsere deutsche Community hatte keine Rufe nötig, und am Schluss trösteten wir die linksrheinischen Nachbarn, so gut es ging.

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Public Viewing ist in Istanbul beileibe nicht den Expats vorbehalten. In praktisch jedem Restaurant, Café oder Verkaufsladen laufen die Spiele, wer will, kann immer einen Blick auf den Platz im fernen Brasilien werfen. Schließlich sind die Türken ein fußballverrücktes Volk, es kommt nicht unbedingt darauf an, dass die eigene Mannschaft nicht dabei ist (über die Gründe dafür wird in den Zeitungen heftig gestritten).

Wenn Tore fallen, jubelt die Nachbarschaft, egal, wer sie geschossen hat. Das Spiel Deutschland-Ghana sah ich teils in einem Lokal auf der Istiklal Caddesi. Alle waren für Deutschland,weil bei uns „Mesut“ mitspielt. Während die türkischen Kommentatoren alle sonstigen Spieler immer korrekt seriös mit dem Nachnamen benennen, ist Mesut Özil einer der ihren, eben: „Mesut!“

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Der Autor am Ausgang.

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