Nach dem gescheiterten Putsch: Anti-Gezi auf dem Taksim-Platz

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Ich finde Militärputsche verabscheuungswürdig, egal warum sie ausgeführt werden, und wie ich denken nach meinem Eindruck die meisten linken und liberalen Türken, mit denen ich über den Putschversuch gesprochen habe. Viele Ältere sind heute noch durch den Putsch von 1980 traumatisiert. Zahlreiche aufgeklärte, demokratisch gesinnte Menschen flüchteten damals aus der Türkei zum Beispiel nach Deutschland. Sie hassen militärische Gewalt gegen das eigene Volk. Ich bin davon überzeugt, dass in der Türkei ein Militärputsch gegen den gewählten Präsidenten stattgefunden hat, aber dass nicht alle, die daran beteiligt waren, wirklich wussten, was los war.

Aus meiner Sicht stellt sich das Geschehen vor allem als eine Kommandoaktion dar, um Erdoğan zu töten. Die Putschisten vertrauten wahrscheinlich darauf, dass der Anschlag auf den Präsidenten wie ein Katalysator wirken und die Massen auf ihre Seite bringen würde. Als das nicht gelang, hatten sie offenbar keinen Plan mehr. Die Truppen, die den Putsch unterstützten, waren jedenfalls viel zu wenige, um die Regierung und den Sicherheitsapparat zu übernehmen.

Fotos FN, 2016-07-18, Istanbul-Putsch-Taksim 210

Eines meiner Lieblingsbistros in Istanbul ist das „Kitchenette“ im Marmara-Hotel am Taksim-Platz. Es wurde von der bekannten Istanbuler Design-Firma Autoban gestylt, es spielt oft lateinamerikanische Hintergrundmusik, und es hat eine ordentliche Speisekarte. Vor allem aber trifft man dort ein ziemlich außergewöhnliches Publikum, das von türkischen Geschäftsleuten, Künstlern und Schriftstellern über Touristen, Expats, Angestellten der nahegelegenen Generalkonsulate bis hin zu syrischen Edelprostituierten und Geheimdienstlern reicht. Ich stelle mir immer vor, dass sich auch Graham Greene oder John Le Carré im Kitchenette wohl gefühlt hätten. Es ist eigentlich immer gut besucht.

Am heutigen Donnerstagabend war das Kitchenette so gut wie leer. Es fühlte sich traurig an. Ich nahm einen Cappuccino und bestellte eines der runden kleinen Erdbeertörtchen, die genial schmecken, wenn sie frisch sind. Als ich ging, fragte ich den Kellner, was der Grund sei für die Tristesse? Er zeigte auf den Taksim-Platz, auf dem riesige Videowände aufgebaut waren und Tausende Menschen rote türkische Fahnen schwenkten. Er sagte: „Die Leute da draußen mögen sich an der Freiheit berauschen, aber davon abgesehen haben sie leider nichts. Sie können sich nicht mal einen Tee leisten. Und weil sie so laut sind, kommt niemand zu uns.“ Irgendwie eine gute Zusammenfassung der Lage.

Der heutige Donnerstag war der sechste Abend in Folge, an dem ich mehrere Stunden am Taksim-Platz verbrachte. Ich vermute, dass ich der ausländische Journalist mit den meisten Taksim-Stunden bin, und ehrlich gesagt, ich bin erschöpft und kann keine roten Fahnen mehr sehen. Es begann mit dem Militärputsch am vergangenen Freitag, als eine bedauernswerte Truppe wehrpflichtiger Soldaten von ihren verantwortungslosen Putsch-Offizieren zum Taksim-Platz beordert wurde, um dort das Republikdenkmal zu umstellen. Vermutlich sollte das ein symbolisches Statement sein (ich habe die Szene in einer Reportage beschrieben, die Sie hier und hier und hier finden).

Fotos FN, 2016-07-15, Istanbul-Militärputsch 096
15. Juli 2016, Taksim-Platz, am Republikdenkmal, gegen Mitternacht.
Fotos FN, 2016-07-15, Istanbul-Militärputsch 105
Fotos FN, 2016-07-15, Istanbul-Militärputsch 114
Fotos FN, 2016-07-15, Istanbul-Militärputsch 127
Fotos FN, 2016-07-15, Istanbul-Militärputsch 185

Misshandelte Putschisten

Im Grunde wurde die Truppe aber dem Mob geopfert, und es war nur einigen muskulösen Zivilpolizisten zu danken, die sich vor sie stellten, dass ihnen nichts geschah. Die Soldaten mussten stundenlang zitternd und verängstigt das Denkmal bewachen und sich in ihrer bedauernswerten Lage auch noch ununterbrochen fotografieren lassen. Besonders beliebt waren Selfies mit ihnen im Hintergrund. Ich fragte zwei Soldaten, wieso sie da seien, und sie sagten etwas von einer Übung. „Wir sind hierher befohlen worden.“ Sie wussten nichts von einem Putsch.

Fotos FN, 2016-07-15, Istanbul-Militärputsch 295

Diese armen Wehrpflichtigen werden zurzeit gerade ein zweites Mal gedemütigt. Im Fernsehen war zu sehen, dass blutjunge Rekruten festgenommen und in langen Reihen im Polizeigriff abgeführt werden. Die Bilder sollen dem „Volk“ wohl zeigen, wie viele Putschisten es gab. Ob sie jetzt auch so zugerichtet werden wie ihre Vorgesetzten, die den Putsch mutmaßlich leiteten?

Fotos FN, 2016-07-15, Istanbul-Militärputsch 139
15. Juli 2016, Taksim-Platz, am Republikdenkmal, gegen Mitternacht. Polizei stand mit einem Wasserwerfer bereit, griff aber nicht ein.
Fotos FN, 2016-07-15, Istanbul-Militärputsch 154
Fotos FN, 2016-07-15, Istanbul-Militärputsch 145
Fotos FN, 2016-07-15, Istanbul-Militärputsch 170
Fotos FN, 2016-07-15, Istanbul-Militärputsch 164

Die Militärjunta von 1980 ließ Tausende foltern, aber das geschah im Geheimen. Jetzt quillt das Internet über von grausigen Bildern der Gefangenen, die ganz offensichtlich schwer misshandelt, geschlagen und gefoltert wurden und dann wie Trophäen vor Kameras ausgestellt werden. Die Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Human Rights Watch sind aufs Höchste besorgt.

Klar hat der angegriffene, demokratisch gewählte Präsident Erdoğan jedes Recht, gegen die Putschisten vorzugehen und dabei die Härte des Gesetzes anzuwenden – aber innerhalb des rechtsstaatlichen Rahmens, der in der Türkei leider schon vor dem Putsch nur noch schwer zu erkennen war.

Fotos FN, 2016-07-15, Istanbul-Militärputsch 196
16. Juli 2016, Taksim-Platz, gegen ein Uhr nachts. Ein Trupp Soldaten marschiert auf, wird von Demonstranten gestoppt, es gibt ein kurzes Handgemenge, die Soldaten schießen in die Luft, verletzen trotzdem einige Menschen und verschwinden wieder.
Fotos FN, 2016-07-15, Istanbul-Militärputsch 198
Fotos FN, 2016-07-15, Istanbul-Militärputsch 210
Fotos FN, 2016-07-15, Istanbul-Militärputsch 213
Fotos FN, 2016-07-15, Istanbul-Militärputsch 285
Fotos FN, 2016-07-15, Istanbul-Militärputsch 259
Fotos FN, 2016-07-15, Istanbul-Militärputsch 264

Die Türkei vor einem Brain Drain

Die Menschenrechte sind unteilbar. Wenn Täter zu Opfern gemacht werden, machen sich ihre Peiniger nicht weniger schuldig. Wenn Regierungspolitiker und Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan jetzt davon sprechen, dass sie die Demokratie schützen und die Rechtsstaatlichkeit bewahren wollen, wirkt das angesichts der Bilder misshandelter Häftlinge zynisch. Man kann nur hoffen, dass die europäischen Regierungen die Misshandlungen endlich anprangern und eine menschenwürdige Behandlung der Gefangenen einfordern.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Griechenland unter diesen Umständen die acht am Putschabend in ihr Land geflüchteten türkischen Soldaten an die Türkei ausliefert. Heute hat die Türkei ein weiteres verheerendes Signal ausgesandt, als Erdoğan nicht nur den Ausnahmezustand einführte, sondern die Regierung auch noch die Europäische Menschenrechtskonvention teilweise aussetzte.

Viele türkische Freunde gehen seit dem gescheiterten Staatsstreich kaum noch aus dem Haus, sind depressiv, haben Angst: um ihren Arbeitsplatz, um ihre Sicherheit, sogar um ihr Leben. Fast jeder denkt darüber nach, die Türkei zu verlassen. Falls Erdoğan seinen harten Kurs beibehält, wird es eine Fluchtwelle der gut ausgebildeten, kosmopolitischen jungen Leute geben – genau jene Menschen, die 2013 die Gezi-Bewegung getragen haben.

Anders als die Erdoğanisten besitzen viele von ihnen Reisepässe und können relativ unkompliziert etwa für 90 Tage in die Europäische Union reisen. Hält die Repression in der Türkei an, könnten Asylanträge in Deutschland, wo es zudem eine gute auslandstürkische Infrastruktur gibt, absolut Aussicht auf Erfolg haben. Keine Frage, die Türkei steht vor einem massiven Brain Drain. Deutschland kann sich auf viele neue, akademisch gebildete Zuwanderer freuen.

Für die Türkei hingegen ist diese Perspektive eine Katastrophe. Das Land, das enorme Potentiale besitzt, um eine starke Rolle in der globalisierten Welt zu spielen, steht am Scheideweg. Verliert es seine moderne, gebildete Jugend, verliert es seine Zukunft. Leider ist es gerade im Begriff, sich in die lange Liste autokratischer Regime und gescheiterter Staaten des Nahen Ostens einzureihen.

Fotos FN, 2016-07-18, Istanbul-Putsch-Taksim 242
Taksim-Platz, 17. Juli 2016.
Fotos FN, 2016-07-18, Istanbul-Putsch-Taksim 298
Fotos FN, 2016-07-18, Istanbul-Putsch-Taksim 274
Fotos FN, 2016-07-18, Istanbul-Putsch-Taksim 289
Fotos FN, 2016-07-18, Istanbul-Putsch-Taksim 337

Das Gegen-Gezi

Zurück zum Taksim-Platz. Ich habe während der Gezi-Bewegung an dieser Stelle mal darüber geschrieben, was einen trivial wirkenden, aber entscheidenden Unterschied der Gezi-Jugend zu anderen Gleichaltrigen in der Türkei ausmacht: Sie konnten fast alle die weltweite Lingua Franca Englisch sprechen. Das macht es nicht nur für einen wenig sprachbegabten Korrespondenten einfacher, mit ihnen zu kommunizieren, es spricht auch einfach Bände über ihre Chancen, sich in dieser Welt zu behaupten – auch außerhalb der Türkei.

Meiner Ansicht nach haben Revolutionen oder große historische Bewegungen immer auch einen ästhetischen Aspekt, der sie auszeichnet und unterscheidbar macht. Während der Gezi-Unruhen bin ich ebenfalls jeden Tag und jeden Abend zum Taksim-Platz gegangen. Diese Bewegung war mitreißend, fantasievoll, interessant, abwechslungsreich. Kaum etwas war vororganisiert, fast alles selbstbestimmt, selbsterfunden, improvisiert. Über den Platz und durch den Gezi-Park zu gehen, war jeden Tag aus Neue ein Abenteuer, Überraschungen garantiert.

Wie ermüdend dagegen ist der jetzige Versuch der AKP, eine Art Gegen-Gezi auf dem Taksim-Platz zu etablieren. Nichts ist hier improvisiert, alles wird den Menschen vorgesetzt, die AKP-Propaganda-Maschine schnurrt. Inzwischen gibt es drei Videoleinwände, die am liebsten die Menschenmenge auf dem Platz zeigen und sich in sich selbst spiegeln. Die einzige Überraschung bisher war der Auftritt des Ex-Premiers Ahmet Davutoğlu vor zwei Tagen, der aber auch nicht die Courage hatte, den „Richtet sie hin!“-Rufen des lynchsüchtigen Publikums einen rechtsstaatlichen Appell entgegenzusetzen. (Selbst wenn die Todesstrafe wieder eingeführt werden würde, könnte sie wegen des juristischen Rückwirkungsverbots nicht auf die Putschisten angewendet werden; sie wäre vor allem ein Instrument der Abschreckung.)

Fotos FN, 2016-07-18, Istanbul-Putsch-Taksim 147
Taksim-Platz, 17. Juli 2016.
Fotos FN, 2016-07-18, Istanbul-Putsch-Taksim 317
Fotos FN, 2016-07-18, Istanbul-Putsch-Taksim 379
Fotos FN, 2016-07-18, Istanbul-Putsch-Taksim 113
Fotos FN, 2016-07-18, Istanbul-Putsch-Taksim 201

Böse Geister aus Pennsylvanien

Weil an den ersten Tagen trotz freier Fahrt im öffentlichen Nahverkehr, trotz kostenloser Wasserflaschen und roter Fähnchen nur jeweils rund 5000 bis 10.000 Menschen zum Taksim kamen, wurde seit Dienstag mächtig aufgerüstet. Jetzt bilden sich lange Schlangen vor Grillzelten, in denen Sucuk-Würste kostenlos verteilt werden. Für die syrischen Flüchtlinge ist das eine tolle Sache; nach meiner Schätzung sind vielleicht ein Viertel der Leute auf dem Platz Syrer.

Andere Leute berichten ganz offen, dass sie mit Bussen aus ärmeren Vierteln wie Esenler oder Kagithane herangekarrt werden, organisiert von der Verwaltung des Bezirks Beyoğlu. Unser lokaler Bürgermeister hat auch seinen Wahlkampfbus telegen mitten auf den Platz gestellt, und eine große Plastikflasche von Coca Cola daneben. Vielleicht ist die amerikanische Brausenfirma der Sponsor, obwohl die bösen Geister aus „Pennsilvaniya“ allabendlich verdammt und gebannt werden. Kapitalismus eben.

Spiegel Online hat am gestrigen Mittwoch geschrieben, dass 100.000 Menschen auf dem Taksim-Platz rote türkische Fahnen geschwenkt hätten. Das ist stark übertrieben. Heute waren vielleicht 10.000 Leute da, gestern und vorgestern mögen es 30.000 gewesen sein. Man kann das leicht ausrechnen, wenn man die Fläche des Platzes bei Google Earth abmisst und dann mit drei oder vier Leuten pro Quadratmeter hochrechnet. Rund ein Drittel des Platzes ist derzeit wegen Baumaßnahmen nicht begehbar, und selbst am Mittwoch, als viele kamen und der Ausrufung des Ausnahmezustandes entgegenfieberten, war der Platz bei Weitem nicht komplett gefüllt (anders als an vielen Gezi-Tagen).

Fotos FN, 2016-07-19, Istanbul-Cem Tüzün-Taksim-Fahnen 074
Taksim-Platz, 18. Juli 2016.
Fotos FN, 2016-07-19, Istanbul-Cem Tüzün-Taksim-Fahnen 055
Fotos FN, 2016-07-19, Istanbul-Cem Tüzün-Taksim-Fahnen 068
Fotos FN, 2016-07-22, Istanbul-Mond-Scxhiffskorso-Taksim 064
Fotos FN, 2016-07-19, Istanbul-Cem Tüzün-Taksim-Fahnen 115

Nachlassende Spannung

Es ist offenbar ein Problem der AKP, dass überall im Land zu wenige Leute den unaufhörlichen Appellen, sich auf Straßen und Plätzen zu versammeln, Folge leisten. Die meisten kommen ein Mal mit der Familie, um Selfies mit Fahnenmeer im Hintergrund zu knipsen. Allein in Beyoğlu haben rund 50.000 Menschen die AKP gewählt – wo sind die alle? Und wie lange soll das noch so gehen?

Eine politische Bewegung braucht eine gewisse Spannung, um spannend zu bleiben. Was soll jetzt noch kommen? Erdoğan hat ja schon vor dem Ausnahmezustand praktisch mit Ausnahmezustand regiert. Da ist nicht mehr so arg viel Eskalationspotential.

Fotos FN, 2016-07-22, Istanbul-Mond-Scxhiffskorso-Taksim 083
Osmanische Folklore.
Fotos FN, 2016-07-22, Istanbul-Mond-Scxhiffskorso-Taksim 087
Fotos FN, 2016-07-22, Istanbul-Mond-Scxhiffskorso-Taksim 124

Ich kann jedenfalls nach fünf Tagen keine osmanischen Märsche mehr hören, keine roten Fahnen und AKP-Werbespots mehr sehen. Bitte Abwechslung! Originelle Ideen!

(… und wenn Sie jetzt fragen, warum ich mir das überhaupt antue: Tja, das ist wohl der Job…)

Nachtrag am Freitag, 22. Juli, 23:30 Uhr:

Heute ist Familientag auf dem Taksim-Platz. Großfamilien sind mit Kind und Kegel gekommen, machen Selfies mit sich und türkischen Fahnen, stellen sich für kostenlose Sucuk-Brötchen und Wasserflaschen an, tragen sich ins Kondolenzbuch für die „Märtyrer“ des Putsches ein, singen und sind fröhlich. Es ist ein Volksfest, und man hat das Gefühl, zugleich für eine gute Sache einzustehen. Ein bisschen zu viele Wolfsgrüße, aber heute sah ich auch mehr Säkulare auf dem Platz, die sich vorwagen, so wie damals bei den Gezi-Protesten der Säkularen irgendwann die Frommen auf den Platz kamen, „um mal zu gucken“. Und noch etwas ist ähnlich: Auch bei Gezi war nach etwa einer Woche „Familientag“, als die Menschen glaubten, es sei weitgehend ungefährlich, auf den Taksim-Platz zu gehen und Kinder und Kindeskinder mitzubringen. Am Sonntag werden hier CHP und AKP gemeinsam demonstrieren, vermutlich auch die MHP. Ob die HDP dann auch mitmacht?

Fotos FN, 2016-07-22, Istanbul-Mond-Scxhiffskorso-Taksim 173
Das Atatürk-Kulturzentrum war am Freitag ganzflächig mit einer türkischen Fahne bedeckt und dem Slogan: „Souveränität gebührt der Nation!“
Fotos FN, 2016-07-22, Istanbul-Mond-Scxhiffskorso-Taksim 095
Anstehen für Freiwurst.
Fotos FN, 2016-07-22, Istanbul-Mond-Scxhiffskorso-Taksim 198
Fotos FN, 2016-07-22, Istanbul-Mond-Scxhiffskorso-Taksim 201

(Text leicht überarbeitet am Freitag, 22. Juli 2016)

Fotos FN, 2016-07-18, Istanbul-Putsch-Taksim 237
Der Autor am 17. Juli auf dem Taksim-Platz.

Sie können mir auf Twitter folgen: @NordhausenFrank

Post to Twitter

8 Gedanken zu “Nach dem gescheiterten Putsch: Anti-Gezi auf dem Taksim-Platz

  1. Erdogan sagt: „Ihr müsst euch nicht assimilieren, sondern integrieren!“ Deutsche Presse: „Erdogan gegen Integration!“ Erdogan sagt: „Wir machen alle eine Entwicklung durch. In meiner Jugend war es verpönt, wenn Frauen in der Öffentlichkeit laut lachten.“ Deutsche Presse: „Erdogan will den Frauen das Lachen verbieten“ Erdogan sagt: „Da Frauen und Männer biologisch nicht gleichgestellt sind, müssen wir den Frauen eine gesetzliche Gleichstellung garantieren.“ Deutsche Presse: „Erdogan gegen Gleichstellung von Mann und Frau“ Der deutsche Leser wird nie verstehen, wieso der Mann in der Türkei mehr als die Hälfte der Wählerstimmen bekommt. Wie auch…

    • Reden Sie mal mit türkischen Muttersprachlern über das Thema … (siehe meine Antwort auf Ceylan Islam).

      • Das ist eben der Unterschied zwischen uns, ich muss nicht mit Muttersprachlern reden, ich bin selbst eine.

  2. Ach Frank, jetzt lern doch endlich mal Türkisch, damit du auch verstehst, was Erdogan wirklich sagt. Oder leiste dir halt einen ordentlichen Übersetzer, der dir seine Reden im Wortlaut übersetzen kann.
    Aber beim Hörensagen ist das wie mit der stillen Post, am Ende versteht man nur was man verstehen will – und auch davon nur die Hälfte.

    • Das ist ein wirklich guter Ratschlag, vielen Dank dafür. 🙂 Den bräuchten dann auch viele türkische Muttersprachler, die Erdogan offenbar auch immer falsch verstehen. Vielleicht drückt sich der Mann einfach immer doppeldeutig aus?

      • Kannst du einen europäischen Politiker nennen, der auch nur annähernd solche Zustimmungsraten in seinem Land erhält wie Erdogan?

        Das Traurige ist, dass europäische Politiker die Idee von Europa zerstören, indem sie versuchen, am rechten Rand zu fischen und den Rechtspopulisten nach dem Mund reden.

        Nein, Europa ist nicht zu retten, indem man mit dem Finger auf die ach so böse Türkei zeigt, vor der man Europa retten wolle, das zeigt das Brexit-Beispiel deutlich, auch da versuchte Cameron, den rechten Rand einzubinden mit türkeifeindlichen Sprüchen. Hat nicht geklappt, wird auch nie klappen, so stärkt man die Rechten nämlich nur.

        Also Frank, verlange nicht von der Türkei, sich zu ändern, sondern versuche die Sichtweise auf die Türkei zu ändern. Das ist gar nicht so schwer, rede einfach zur Abwechslung auch mal mit Erdogan-Anhängern, sind ja schliesslich gar nicht so wenige, nicht wahr?!

  3. Die Überschrift „Gezi-Demo 2.0“ fände ich passender, sozusagen die verbesserte Version ohne Randale.