Das Orhan-Pamuk-Viertel

Nun habe ich es Schwarz auf Weiß: Ich wohne in einem der fünf lebenswertesten Orte der Welt – im Istanbuler Stadtteil Cihangir. Das hat jedenfalls der britische Guardian festgestellt. Der Guardian schreibt, im vergangenen Jahrzehnt habe sich Istanbul gewandelt von einem „liebenswerten, aber heruntergekommenen Museumsstück zu einem liebenswerten, aber heruntergekommenen Museumsstück mit tollen Bars, wirtschaftlichem Wachstum und einem prima öffentlichen Nahverkehr“, und besonders Cihangir sei „ein echtes Orhan-Pamuk-Viertel“. Cihangir fühle sich noch immer alt, altmodisch, unrestauriert und ein bisschen schäbig an, aber jetzt gebe es dort auch Dach-Bars mit unglaublichem Bosporus-Blick und Galerien für moderne Kunst. Kann ich nur bestätigen. Stimmt alles, Wort für Wort.

Straße in Cihangir

Die übrigen fünf Orte sind laut Guardian übrigens: Portland (Oregon/USA), die Nordküste Hawaiis, Santa Cruz (Teneriffa) und – St. Pauli in Hamburg. Der Guardian beruft sich dabei unter anderem auf die Beatles und schreibt: „Die heutige Jugend strebt nach Berlin, Berlin, Berlin. Langweilig!“ Na, ich weiß nicht. Aber mit Cihangir hat er ins Schwarze getroffen (was inzwischen hier schon zu einer Verprenzlauerbergerung führt – immer mehr ausländische Hipster siedeln sich an).