Kommunalwahlen als Kampf ums Überleben

Wie die letzten Wahlen vor der Friedhofsruhe, so fühlt sich der Kommunalwahlkampf in der Türkei an. Nach diesem Urnengang werden die Wähler erst einmal, wenn alles nach Plan des Palastes läuft, vier Jahre nicht mehr zur Stimmabgabe gerufen. Vier Jahre für Erdogan, um sein Regime zu konsolidieren. Vier Jahre, die ein Test für die türkische Gesellschaft werden. Wie viel lässt sie sich bieten? Wie weit reicht ihr Untertanengeist? Wann hat sie genug von dieser totalitären, ausbeuterischen und Ressourcen verschwendenden Regierung?

Die Deutsche Presse-Agentur sendet dieses Bild von Erdogans Wahlkampf, das den Jubel der Massen zeigen soll.

Jeden Tag telefoniere ich derzeit mit Freunden und Bekannten in der Türkei, ich besuche Kongresse der Exilierten im Ausland und treffe mich mit Flüchtlingen aus Istanbul oder Ankara. Mein türkischer Mitarbeiter „Hakan Eser“ (der Name ist natürlich geändert) muss meine Augen und Ohren ersetzen und führt für mich Interviews in Istanbul. So kann ich mir ein Bild machen. Das gleicht den unmittelbaren Eindruck nicht aus, aber es ist unter den gegebenen Umständen nicht anders möglich.

Inzwischen steigt die Zahl der „ausgebürgerten“ Türkei-Korrespondenten deutlich an. Waren es in den letzten Jahren jeweils eine Handvoll Kolleginnen und Kollegen, die keine Pressekarte bekamen oder massiv gemobbt wurden, so hat ihre Zahl in diesem Jahr alle Maßstäbe gesprengt. Zwar bekamen am gestrigen Donnerstag und am heutigen Freitag viele Kollegen einen Anruf des Presseamtes mit dem positiven Bescheid, sie würden ihre Karten jetzt erhalten – kurz vor Ablauf der Ausreisefrist also! Noch immer aber warten offenbar mehr als 20 ausländische Journalisten auf ihre Akkreditierung, darunter auch deutsche. Noch nie hat das Regime in Ankara so deutlich gemacht, dass unabhängige Berichterstatter unerwünscht sind, wie in diesem Jahr.

Der folgende Text über die Kommunalwahlen enthält Elemente aus verschiedenen Artikeln, die ich für deutsche Zeitungen geschrieben habe. Ich habe sie hier zu einem Text zusammengefasst.

Panik und Wut

Am Sonntag sind in der Türkei Regionalwahlen. Staatspräsident Erdoğan führt einen Wahlkampf, als gehe es ums eigene Überleben. Womöglich tut es das auch. Und die Opposition hat sich zu einem schlagkräftigen Bündnis zusammengetan. Könnte Erdoğan seine Machtstellung verlieren?

Als der Präsident das Mikrofon ergreift, kommt Bewegung in die Menge. Unzählige rot-weiße türkische Fahnen schwenken seine Anhänger. „Ich grüße alle Menschen, die für das Überleben unserer Nation eintreten“, ruft Recep Tayyip Erdoğan den Menschen auf dem großen Platz am Marmarameer in Istanbul-Yenikapı zu. „Allen, die mit Terroristen zusammenarbeiten, werden wir die Maske vom Gesicht reißen!“

Mehrere hunderttausend Anhänger des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan haben sich am Sonntag zu seiner zentralen Kundgebung vor den landesweiten Kommunalwahlen am 31. März versammelt. Erdogan wirkt gut gelaunt, er absolviert derzeit zwei bis drei solcher Kundgebungen pro Tag. Da seine islamische Regierungspartei AKP eine Wahlallianz geschlossen hat, tritt er diesmal gemeinsam mit dem Chef der rechtsextremen MHP, Devlet Bahceli, auf die Bühne.

Nach der Wut kommen die Wohltaten. Wie in allen seinen Wahlkämpfen verspricht der türkische Staatspräsident wieder neue Megaprojekte: ein „Biotechniktal“, ein riesiges „Filmproduktionsareal“ und eine acht Kilometer lange „Kunstmeile“ am Marmarameer. Als ob die Stadt nicht schon betoniert genug wäre.

Tatsächlich bleibt der Jubel verhalten. Bereits nach einer Viertelstunde lichten sich die Zuhörerreihen. Vielleicht auch, weil Zuhörer Geld fürs Kommen bekamen – wie oppositionelle Medien enthüllten.

Erdoğan trifft nicht mehr den Ton

Es könnte aber auch sein, dass der geübte Wahlkämpfer Erdoğan erstmals einfach nicht den richtigen Ton trifft. Dabei tritt er bei der zentralen Kundgebung am vergangenen Sonntag gut gelaunt auf. Zwei bis drei solcher Massenveranstaltungen absolviert er pro Tag.

Obwohl es nur um die Posten von Bürgermeistern und Stadträten geht, hat Erdoğan die Regionalwahlen am kommenden Wochenende, bei denen rund 57 Millionen Bürger zur Stimmabgabe aufgerufen sind, zur „Überlebensfrage“ für die Türkei erklärt.

Täglich eskaliert er seine aggressive Wahlkampfrhetorik. Immer wieder zeigt er das international geächtete Livevideo von den rassistischen Terroranschlägen auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch, bei denen 50 Muslime ums Leben kamen. Er beschwört einen Kulturkampf „zwischen Muslimen und dem Westen“.

Er versteigt sich zur ernst zu nehmenden Drohung, mehr als 300 Kandidaten der Opposition würden, falls gewählt, umgehend durch staatliche Kommissare ersetzt, denn sie hätten „Kontakt zu Terrororganisationen“. Und er sagt mit der gnadenlosen Arroganz der Macht, die Bürgermeister könnten ohnehin nichts ohne ihn ausrichten: „Ich bin allein verantwortlich für die türkische Wirtschaft. Es gibt nichts, was die Bürgermeister tun könnten. Was immer sie euch erzählen, es sind Lügen!“.

„Wir haben lokale Wahlen, aber es wirkt, als würden wir in den Krieg ziehen“, sagt die Vorsitzende der oppositionellen nationalistischen IYI, der Guten Partei, Meral Akşener.

Akşener führt ebenso wie der mit ihr verbündete Oppositionsführer Kemal Kılıçdaroğlu, Chef der sozialdemokratischen CHP, eine relativ gemäßigte Kampagne. Beide Parteien konzentrieren sich auf die schlechte Wirtschaftslage. „Es gibt jetzt 7,5 Millionen Arbeitslose in der Türkei, wir brauchen Jobs für sie”, sagt Kılıçdaroğlu bei ihren Kundgebungen. „Aber stattdessen gibt es jeden Tag Kämpfe, Verleumdungen, Wortschwall. Schluss damit!“

Doch Erdoğan bleibt bei einer Tonlage, die Panik schürt – und von wachsender Panik im Regierungslager zeugt.

Der AKP drohen Abspaltungen

Hauptgrund dafür ist, dass Erdoğans erfolgsverwöhnte AKP, die noch nie eine Wahl verloren hat, erstmals seit ihrem Machtantritt 2002 mit dem Rücken zur Wand steht. Angesichts der eskalierenden Wirtschaftskrise muss der Autokrat Umfragen zufolge in vielen Kommunen eine Niederlage befürchten. Sollte die AKP das Bürgermeisteramt in der Hauptstadt Ankara und in der Megacity Istanbul verlieren, erwarten politische Beobachter harte Auseinandersetzungen in der Partei, bis hin zu Abspaltungen.

Was die Wirtschaftskrise praktisch bedeutet, lässt sich dieser Tage am zentralen Istanbuler Taksim-Platz besichtigen. Dort stehen große weiße Zelte, in denen die Stadtverwaltung subventionierte Zwiebeln, Kartoffeln und Paprika verkauft. Angesichts einer Inflationsrate von fast 20 Prozent wissen viele Menschen nicht mehr, wie sie ihre Familie ernähren sollen.

Seit Erdoğan während des Wahlkampfes die staatlichen Verkaufsstellen einführte, stehen Hunderttausende im ganzen Land Schlange. Nicht wenige, die am Taksim-Platz anstehen, sind traditionelle AKP-Wähler. Wie der 45-jährige Bauarbeiter, der sagt: „Ich werde jetzt wieder für sie stimmen. Denn die Regierung des Landes und der Stadt muss in den Händen einer Partei sein, damit es vernünftige Leistungen für uns Bürger gibt.“

Doch die Schlangen vor den staatlichen Gemüseständen wirken wie ein unübersehbares Symbol der Krise. Trotzdem wiederholt der wartende Bauarbeiter Erdoğans Argumente, der für den Preisanstieg „Lebensmittelterroristen“ verantwortlich macht und Großhändlern vorwirft, die Preise zu manipulieren. „Verantwortlich dafür sind dieselben, die den Währungskurs manipulieren“, sagt er. „Erdoğan und die AKP haben viele Krisen gemeistert, sie werden auch diese bewältigen.“. Und dann: Einige seiner Freunde würden allerdings diesmal „eine andere Partei ausprobieren“.

Umfragen in der Türkei sind oft parteipolitisch gefärbt und deshalb mit Vorsicht zu betrachten. Doch selbst AKP-nahe Institute prognostizieren derzeit eine Führung der Opposition in vielen Kommunen, und in sämtlichen Umfragen wird die Wirtschaftskrise als wichtigstes Thema genannt. Viele Menschen kaufen Erdogan einfach nicht mehr ab, dass er die Verantwortung für die Schieflage der Wirtschaft anderen anlastet.

Verheerende Prognosen

Aufsehen erregte das kleine Meinungsforschungsinstitut Area, das jüngst Ergebnisse einer repräsentativen Erhebung mit 5150 Direktinterviews publizierte. Auf die Frage, ob das Überleben der Türkei bedroht sei, antworteten 47 Prozent der Befragten mit Nein, 37 Prozent mit Ja, 16 Prozent sagten nichts dazu. Aber 66 Prozent sagten, dass die Regierungspolitik versagt habe, nur 22 Prozent halten sie für erfolgreich, und 12 Prozent gaben keine Antwort. In neun wichtigen Städten führen der Erhebung zufolge die Kandidaten der Opposition, die sich zu einer „Nationalen Wahlallianz“ zusammengeschlossen haben.

Diese Prognosen sind für die AKP verheerend. Um den Stimmen der Opposition mehr Gewicht zu verleihen, tritt in den neun wichtigen Städten jeweils nur ein oppositioneller Kandidat an – der von der gesamten Allianz gestützt wird.

Der Restaurantbesitzer Adil D. hofft, dass die CHP-Kandidaten in Istanbul und Ankara gewinnen, damit auf kommunaler Ebene der „Verschwendung und Korruption endlich ein Riegel vorgeschoben“ und ein politischer Wechsel im Land vorbereitet werde. Falls der als ehrlich und bescheiden geltende Bewerber Ekrem Imamoğlu in Istanbul gewinnt, erwartet er, dass das Verschieben öffentlicher Güter und Immobilien an die „Yandaş“ genannten AKP-Klientel „zumindest teilweise aufhört“.

„Das Land liegt in Ruinen, und es wird täglich schlimmer. Ich kann meine Preise im Lokal nicht halten und verliere deshalb dauernd Kunden“, sagt der 50-jährige Gastwirt. „Nur eine Rückkehr zur Demokratie kann uns retten.“

Mit harten Bandagen: Der Kampf gegen kurdische Politiker

Auch im kurdisch geprägten Südosten der Türkei muss Erdoğans AKP zittern. Trotz massiver Anstrengungen gelingt es ihr nicht, die prokurdische Linkspartei HDP, die in der Region traditionell die meisten Stimmen holt, ins Abseits zu drängen. Seit dem Zusammenbruch der Friedensgespräche mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK 2015 versucht Erdoğan, die drittstärkste Parlamentspartei kaltzustellen. Tausende HDP-Mitglieder und -Funktionäre wurden verhaftet, viele unter Terrorvorwürfen zu jahrelanger Haft verurteilt, darunter die früheren Parteiführer Selahattin Demirtaş und Figen Yüksekdağ.

Dreimal stürmten schwer bewaffnete Spezialpolizisten die HDP-Zentrale in der Kurdenhochburg Diyarbakır, um einen Hungerstreik gegen die Isolationshaft des PKK-Chef Abdullah Öcalan zu unterbinden. Für Erdogan ist der Hungerstreik ein willkommener Anlass, um die Verbindung der HDP zum „Terror“ zu betonen, denn die PKK wird in der Türkei wie in der EU und den USA als Terrororganisation aufgeführt. Täglich leitet die Justiz neue Ermittlungen gegen die HDP-Spitzenkandidaten ein; neu aufgestellte Bewerber wurden mehrfach umgehend festgenommen, Wahllokale in 14 Provinzen des kurdisch geprägten Südostens wegen „Sicherheitsbedenken“ verlegt.

„Das betrifft ausschließlich HDP-Hochburgen“, sagt Mithat Sancar, Vizefraktionschef der HDP im Parlament. „Man will unsere Anhänger daran hindern zu wählen.“ Im Kurdengebiet hat Sancars Partei die Wahl zum Referendum über Erdoğans staatliche Zwangsverwalter erklärt. Unter dem Vorwurf der PKK-Unterstützung sind in 93 Städten seit 2015 die demokratisch gewählten HDP-Bürgermeister per Präsidentendekret von ihren Posten entfernt und durch Staatskommissare ersetzt worden.

Trotzig stimmten bereits bei den Parlamentswahlen 2018 rund sechs Millionen Wähler für die HDP, die landesweit 11,7 Prozent der Stimmen holte. Sie gewann auch in der Westtürkei massiv hinzu. Umfragen lassen erwarten, dass die HDP auch bei den Kommunalwahlen wieder exzellent abschneidet. „Wir wollen alle unter Zwangsverwaltung gestellten Städte im kurdischen Gebiet zurückgewinnen“, sagt Sancar. „Laut Meinungsforschern stehen wir dort weit vorne.“

„Allianz des Bösen“

Früher hat Erdoğan stets betont, dass der oberste Souverän im Land die Wähler seien. Jetzt droht der Präsident HDP-Anhängern im Wahlkampf, sollten sie sich wieder für Bürgermeister entscheiden, „die mit der PKK verbunden“ seien, „dann werden wir sofort handeln und wieder Zwangsverwalter einsetzen“. Ungewollt hat er der HDP damit ein Wahlgeschenk gemacht, denn seine Wutreden treiben der HDP auch konservative kurdische Wähler zu, die früher für die AKP stimmten, zudem der Präsident außerdem eine antikurdische Rhetorik pflegt, um nationalistische Türken an sich zu binden. Wer von Kurdistan rede, solle doch in den Nordirak verschwinden, ruft er: „Dort ist Kurdistan. In diesem Land aber gibt es keinen Platz für euch!“

Auch in der Hauptstadt selbst wird mit harten Bandagen gekämpft. Als sich abzeichnete, dass der Kandidat des Oppositionsbündnisses, Mansur Yavaş, in Ankara weit vor dem AKP-Kandidaten liegt, entfesselten regierungsnahe Medien und Politiker eine beispiellose Kampagne gegen ihn. Sie warfen ihm vor, anwaltlichen Betrug begangen zu haben; Erdoğan drohte ihm mit Absetzung im Fall seiner Wahl wie weiteren 325 „terrorverdächtigen“ Bewerbern. Einen Tag später nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen ihn auf. Dabei mussten sich alle Kandidaten einer Überprüfung durch den Erdoğan -hörigen Hohen Wahlrat unterziehen, um zugelassen zu werden. Von einer „ungeheuren Missachtung des Wählerwillens“, spricht Mithat Sancar.

Im vergangenen Monat widmete der staatliche Rundfunksender TRT Erdoğan und seinen rechtsextremen Verbündeten 53 Stunden Sendezeit, durchweg positive Beiträge, während der Oppositionsallianz nur sechs Stunden zugestanden wurden und die Berichte großenteils negativ waren. Pro-kurdische Kandidaten erhielten gerade sieben Minuten Sendezeit, durchweg kritisch. Der HDP-Wahlkampfspot wurde wegen angeblicher Terrornähe nicht gesendet.

Vor allem die Terror-Assoziationen sind die Antwort Erdoğans auf den Schachzug der HDP, in sieben großen türkischen Metropolen, darunter Ankara und Istanbul, auf eigene Bürgermeisterkandidaten zu verzichten und zur Wahl des Oppositionskandidaten aufzurufen. „Wir wollen die autoritäre Herrschaft der AKP stoppen“, sagt der Kurdenpolitiker Sancar. „Denn wir wollen die autoritäre Herrschaft der AKP stoppen. Aber eine Allianz von uns mit anderen Parteien gibt es nicht.“ Die HDP-Strategie laute: „In Kurdistan gewinnen, im Westen AKP und MHP besiegen. Ex-HDP-Chef Demirtaş rief aus dem Gefängnis heraus zweifelnde kurdische Wähler dazu auf, ihre Stimme so abzugeben, „dass sie ‚Nein zum Faschismus‘ bedeutet!“.

Die Zusammenführung der zersplitterten Opposition in ein geeintes Lager ist ein genialer Schachzug all derer, die die Vorherrschaft der AKP brechen wollen. Wer 50 Prozent plus eine Stimme holt, ist nach türkischem Wahlrecht Sieger. Das erklärt den Furor, mit der Erdoğan jetzt die Oppositionskandidaten bekämpft – und die Wut auf die Kurdenpartei. Denn die Stimmen der Kurden und der Linken, die in Istanbul und Ankara etwa 6 Prozent ausmachen, werden das Zünglein an der Waage sein. Trotz aller Lügen und Manipulationen könnte die AKP eine historische Niederlage erleiden. Praktisch würde dies zunächst nicht viel ändern, psychologisch wäre es ein Super-GAU. Erdoğan würde den Nimbus der Unbesiegbarkeit ein für allemal verlieren. Er wäre ein Kaiser ohne Kleider.

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57 Millionen Türken dürfen am 31. März ihre Stimmen abgeben und neue Bürgermeister, Ortsvorsteher, Stadt- oder Gemeinderatsmitglieder wählen. Spannend wird es vor allem in der Hauptstadt Ankara, wo die AKP von Präsident Erdoğan den Bürgermeisterposten zum ersten Mal seit rund 15 Jahren an die Opposition verlieren könnte.

13 Parteien stellen Kandidaten. Die wichtigsten sind die Regierungspartei AKP und ihr Bündnispartner, die ultranationalistische MHP, sowie die Mitte-Links-Partei CHP, die linksgerichtete HDP und die nationalistische IYI-Partei.

„Geisterwähler“ könnten, wie schon früher, das Wahlergebnis verfälschen. Die älteste Partei der Türkei und größte Oppositionspartei im Parlament, die CHP, hatte davor gewarnt, dass Tausende angebliche Wähler registriert seien, die es gar nicht gebe, die aber das Ergebnis massiv beeinflussen könnten. Nach anfänglichem Sträuben hat die türkische Wahlbehörde im Februar 91 093 Namen aus den Listen gestrichen, auf denen sich Bürger als Wähler registrieren lassen konnten. Sie seien nicht am angegebenen Wohnort gemeldet gewesen, Adressen seien frei erfunden gewesen, 100-Jährige seien als Erstwähler registriert worden. Bereits bei den jüngsten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen hatte es vielfache Klagen darüber gegeben, dass die Wahlregister manipuliert seien. Noch im Januar hatte Wahlleiter Güven Sadi alle Vorwürfe zurückgewiesen, es gebe „weder doppelte noch falsche oder imaginäre Wähler“.

Der Europarat wird 22 Wahlbeobachter entsenden. Die Delegation wird vom 27. März bis ­1. April in der Türkei sein.

Der leise Brückenbauer

Einen schöneren Platz hätte Erdoğan Altındiş für sein Projekt am Bosporus kaum finden können. Die würdig gealterte Suriye Pasaje ist einer jener mondänen Orte, die an ein Istanbul erinnern, das immer mehr zu verschwinden scheint. Die mehr als hundert Jahre alte „Syrien-Passage“ steht am westlichen Ende der belebten Einkaufsstraße Istikal Caddesi im einstigen Viertel der Griechen, Armenier und Juden auf der europäischen Stadtseite. Heute gehört die Gegend zum Stadtviertel Beyoğlu, sie ist noch immer beliebt bei Touristen aus aller Welt.

Die Drachen in der Suriye Pasaje

Wenn Altındiş aus dem Fenster auf die Straße blickt, sieht er den Zug zehntausender Menschen, die jeden Tag an der Passage entlang flanieren. Genau hier versucht er, mit einer ungewöhnlichen Ausstellung, sich und andere zum Erinnern anzuregen an die Kindheit – ihre Kindheit – um einen anderen Zugang zur Gegenwart zu gewinnen, auch zum Verhältnis von Türken und Deutschen. An der Fassade und im rechteckigen Innenhof der achtstöckigen Passage sind hundert leuchtend bunte, hexagonförmige Drachen aufgehängt. Ein Blickfang, zugleich wesentlicher Teil der Kunstaktion.

Drachen steigen zu lassen hat der Künstler schon als Kind geliebt, „weil sie die Gedanken fliegen lassen“, wie der 55-Jährige sagt. Vielleicht auch, weil sie ihm erlaubten, für eine Zeit zu vergessen, dass er wegen der Folgen seiner zunächst unbehandelten Kinderlähmung auf Krücken angewiesen war. In der deutsch-türkischen Community Istanbuls ist er eine Institution. Im Kulturverein Supa (Suriye Pasaje), den er mit seiner Frau Gabi Kern-Altındiş betreibt, geben regelmäßig deutsche und türkische Journalisten, Künstler, Architekten Einblicke in ihre Erfahrungswelten. Ebenso bekannt ist seine Firma Manzara (Ausblick), die Wohnungen am Bosporus und Häuser an der türkischen Ägäisküste vermietet.

Die Sichtweise ändern

Das Ausstellungsprojekt „Özlem“ – Sehnsucht – ist ein allegorischer Gang durch die Welt des Erdoğan Altındiş, den es aus dem tiefsten Anatolien als Kind nach München verschlug, und von München wieder in die Türkei, wo er seit 15 Jahren vorwiegend lebt. Es ist ein leiser, poetischer Weckruf gegen die Härte der Gegenwart in der Türkei. „Viele Menschen, die etwas verändern wollten, haben resigniert“, sagt Altındiş in seinem bayerisch gefärbten Deutsch. „Viele gute Leute, auch Künstler, haben das Land verlassen. Ich habe mich gefragt, wie kann es mit uns weitergehen? Wie könnte man aus der Negativität ausbrechen?“.


Erdoğan Altındiş und seine Frau Gabi Kern-Altındiş in ihrem Büro in der Suriye Pasaje

Seine Idee war, die Sichtweise zu ändern. „Was wäre, wenn wir uns einfach vorstellten, noch einmal Kinder zu sein? Kinder spielen miteinander, ohne zu fragen, ob jemand Muslim oder Christ ist, behindert oder gesund. Ihre Gedanken sind frei und unbelastet.“ Das kindliche Spiel erlaube Grenzüberschreitungen, Ideen bunt wie die farbigen Schals und Oberhemden, die er so liebt. „Es ermöglicht uns, Dinge auszuprobieren, sich heranzutasten.“

Die Last mitleidiger Blicke

Und wirklich hat seine Schau etwas Spielerisches – das mit einer dahinter liegenden Bedeutungsschwere kontrastiert. „Ich will die Leute emotional berühren“, sagt Altındiş. Im langen Eingangsflur zieht ein Istanbuler Stadtplan am Boden die Besucher hinein und lenkt sie in die links und rechts abgehenden Räume. Hunderttausend glitzernde Glasmurmeln unter einer Glasschicht bilden das „Wasser“ des Goldenen Horns, über das man laufen kann, bis man am Ende an einem Fenster steht und auf den realen Bosporus sieht. „Murmeln waren die Währung meiner Kindheit“, sagt Altındiş. Hebt man den Blick, sieht man auf monochrom gemalte Istanbul-Bilder des Künstlers.

Auf Glasmurmeln über das Goldene Horn

Die erste Installation gilt seiner zentralanatolischen Geburtsstadt Kayseri. In Holzkisten liegen Kindheitsspielzeuge – Knochen, Kupferkabel, Kanisterdeckel, Zigarettenschachteln, Murmeln – an den Wänden hängen Bilder der Stadt mit dem sie überragenden Erciyes-Berg. Den Besuchern kaum zu vermitteln ist allerdings die „Last und Qual mitleidiger Blicke und der Intoleranz“, die ihm als behindertem Kind das Leben schwer machten. „Diese brutalen Blicke in Kayseri erzeugten das Gefühl, arm zu sein und immer von Almosen anderer leben zu müssen. Das war jedenfalls die größte Sorge meiner Mutter.“ Altındiş lacht. „In der Türkei wurden Kinder zwar geimpft, aber bei mir wurde es versäumt. Ich hatte immer große Probleme, mich zu bewegen.“

Altındiş‘ Leben änderte sich von Grund auf, als er 1973 im Alter von zehn Jahren nach München kam. Sein Vater war zwei Jahre zuvor als Gastarbeiter nach Deutschland gegangen. Als er den Sohn in der Hoffnung nachholte, dass deutsche Ärzte die Folgen der Polio lindern könnten, waren eigentlich nur drei Monate geplant. „Daraus wurde dann mein ganzes Leben.“ Altındiş hält einen Moment inne. „Ich bin meinem Vater ewig dankbar dafür.“

Nachgebauter Barackenraum

Im „München-Raum“ der Ausstellung steht ein Doppelstockbett aus Metall. Hier hat der Künstler den Raum in der Barackensiedlung einer Münchener Großbaustelle nachgestellt, in dem er mit vier türkischen Gastarbeitern die ersten Monate in Deutschland verbrachte. Von der Sehnsucht der Männer in der Fremde erzählen die Familienfotos an den Wänden, ein Radio, alte Zeitungsartikel: die Eröffnung der ersten Bosphorusbrücke 1973, Berichte über die Ölkrise.

Der „München-Raum“ der Ausstellung

Ein vergilbtes Foto zeigt den kleinen Erdoğan mit seinem Vater in der Arbeiterbaracke. Glücklich lächelnd sitzen sie zusammen, der Vater im Anzug mit Schlips. Dem Sohn verkürzten damals „Bonanza“ im Fernsehen und die „Bravo“ die Tage, auch wenn er zunächst kein Wort Deutsch verstand. In der Ausstellung hat Altındiş alte Bravo-Hefte neben originalen, in die Türkei gesandten Sehnsuchts-Postkarten arrangiert.

Der Junge wurde damals mehrfach erfolgreich operiert. „Eines Tages tauchte im Barackenlager eine Frau vom Jugendamt auf und überwies mich in die Landesschule für Körperbehinderte“, erzählt Altındiş. Was zuerst bitter klingt, erwies sich als weiterer Glücksfall. In der Behindertenschule begriff der junge Türke, welche Chancen ihm das Leben in Deutschland öffnete: eine gute Ausbildung, Sprachenerwerb, Welt-Wissen. „Alle halfen mir, die türkischen Kollegen im Wohnheim, die Kinder in der Schule, die Ärzte. Aber ich habe mir auch immer sehr viel Mühe gegeben.“

Er lernte Deutsch, kam auf die Fachoberschule, fand mit seiner offenen Art Freunde und Unterstützer, die ihn im Alter von 16 Jahren vor der Abschiebung durch die Ausländerbehörde, der er „zu viel kostete“, bewahrten. Altındiş‘ Glück blieb ihm treu. Inzwischen wohnte er in einer Behinderteneinrichtung, in deren Aufsichtsrat Marianne Strauß saß, die Frau des bayerischen Ministerpräsidenten. „Sie setzte sich persönlich für mich ein und erreichte, dass ich bleiben durfte“, erzählt er. Den Rest erledigte sein unbändiger Ehrgeiz. „Ich wollte es in Deutschland schaffen und auf eigenen Beinen stehen.“ Trotz der Krücken – und das tat er. Zwar wollte er eigentlich Künstler werden, ließ sich aber von seinem Vater überzeugen, den Brotberuf Architektur zu studieren.

„Sehnsucht ist ein bereicherndes Gefühl“

1992 beantragte er den deutschen Pass. Als sich nach einigen Jahren in Münchner Architekturbüros die Chance ergab, eine Weile in Istanbul zu arbeiten, verliebte er sich in die Metropole, ihre Vielfalt, die Majestät ihrer Architektur. Ein Entschluss reifte. Er wollte in beiden Kulturen leben, in München und Istanbul. Denn da war etwas, das ihn stets zurückzog in die alte Heimat. „Die Sehnsucht nach der Kindheit“, sagt er.

„Sehnsucht“, der Titel, den er seiner Ausstellung gegeben hat, war das Gefühl, das ihn damals in München oft übermannte. Vor allem die Sehnsucht nach der geliebten Mutter, aber auch nach einer anderen Form von Lebensfreude. „Sehnsucht ist ein bereicherndes Gefühl. Aber wer kennt heute noch Sehnsucht, wo einen Smartphones jederzeit mit jedem verbinden?“.


Erdoğan Altındiş in seiner Ausstellung

1996 kaufte er sich eine kleine, verwahrloste Wohnung im alten Galata-Viertel nahe der Istiklal Caddesi. „Von jetzt an konnte ich beide Welten verknüpfen“, sagt er. Die Wohnung hat er nach seinen Ideen renoviert und umgebaut. Von seiner Terrasse aus sieht er das Meer und das Ballet der Fähren auf dem Bosporus, hört die Kirchenglocken und die Rufe des Muezzin zugleich, „das ist großartig und inspirierend“. Wenn er das sagt, spricht aus ihm nicht nur die Freude über die Multikulti-Stadt Istanbul – es schwingt auch der Stolz über das aus eigener Kraft Erreichte mit.

Pendeln zwischen München und Istanbul

Immer häufiger kamen nun Freunde zu Besuch, und Altındiş begann, die Wohnung zeitweise zu vermieten. Er kam auf die Idee, professionell Ferienwohnungen anzubieten in der Metropole, die in Deutschland inzwischen „Szenestadt“ genannt wurde. Er erwarb eine zweite Wohnung, ließ sie renovieren – und lernte darüber seine spätere Frau Gabi kennen, eine Innenarchitektin und ebenfalls aus München. „Sie schrieb mir, dass sie die Wohnung so schön fand, dass sie mich persönlich treffen wolle“, erzählt Altındiş. Sie passten gut zusammen. Gabi gab nach zwei Jahren ihren Job auf und zog 2008 fest zu ihm an den Bosporus. „Gemeinsam sind wir dann richtig erfolgreich geworden.“

Die Firma Manzara erfüllte auch Altındiş‘ Lebenswunsch: Kulturen und Menschen zu verbinden. Inzwischen pendeln seine Frau und er zwischen München und Istanbul. So deutsch er sich oft empfindet, er möchte auch das Türkische nicht missen, sagt Erdoğan Altındiş. „Die Tulpen im Frühling, die herrlichen Moscheen, die Tafel mit Freunden.“ Aus dem Dazwischen, sagt er, entstünden Energie, Spannung und Ideen.

Das Wort vom Brückenbauer klingt für Istanbul, diese Brücke zwischen Orient und Okzident, zwar abgenutzt, aber Erdoğan Altındiş ist wirklich einer, der Brücken baut – ein eher leiser Mensch, der gut zuhören kann. Zu seinen Ausstellungen und Veranstaltungen kommen „Weißkragen-Türken, aber genauso Studentinnen mit Kopftuch, Handwerker, Guerilla-Künstler und Transvestiten“, erzählt er, „und Deutsche.“

Viele Deutsche machten seit den „deprimierenden Entwicklungen“ und Krisen der letzten Jahre einen großen Bogen um die Türkei, politische Differenzen dürften menschliche Beziehungen aber nicht zerstören, meint der Künstler, der gegen jeden Trend in Istanbul geblieben ist, selbst als fast keine Feriengäste mehr kamen und er sich Sorgen machen musste, wie es weiter geht. Warum sind er und seine Frau nicht auch gegangen? „Weil dieses Land viel mehr ist als ein Staatspräsident“ entgegnet Altındiş. „Und gerade in Krisenzeiten entstehen ja oft die interessantesten und spannendsten Dinge.“

Die Türkei ist „mehr als ein Staatspräsident“

Er beharrt darauf, dass es möglich bleibe, in der Türkei zu leben und etwas zu bewegen, denn sie sei „vielfältiger als ihr Bild in den Medien“. Deshalb appelliert er auch an alle Deutschen, „jetzt erst recht“ in das Land zu fahren – als Zeichen der Solidarität mit den Menschen, die sich für eine liberale Türkei einsetzen. „Ich glaube fest an die deutsch-türkische Brücke“, sagt er.

Womit wir wieder in der Ausstellung sind. Tritt man aus dem einen Gebäudeteil hinaus, gelangt man über eine luftige Brücke, die den Lichthof überspannt, auf die gegenüberliegende Seite und kann von oben auf die flatternden Drachen schauen. „Der Drache ist für mich das Symbol für das innere Kind, für Grenzenlosigkeit und Freiheit“, sagt Erdoğan Altındiş mit einem Lächeln. „Deshalb habe ich jedem einzelnen Menschen, der in den Häusern arbeitet und lebt, einen Drachen gewidmet. Ich wollte den Kindheitsgeist in ihnen erwecken.“

Eine Mitarbeiterin hat mit den meisten der 70 Mieter der Passage Interviews über ihr Leben, ihre Kindheit, ihre Träume geführt. Ein Raum in der Ausstellung ist ihnen gewidmet. Dort sind kleine Minidrachen mit Schnüren befestigt, die zu einem Schild mit einem Foto führen. Ein kurzer Text beschreibt die Person, auch mit ihren Kindheitserlebnissen, auf Türkisch: Café-Besitzer, Popsänger, Anwälte, ein Barbier aus Van in Südostanatolien. „In einer Gesellschaft, die sich immer mehr entfremdet, kommen die Menschen, geleitet von ihren kindlichen Sehnsüchten und Träumen, wieder zusammen“, sagt Altındiş fröhlich.

Die Idee funktioniert

Der Erfolg gibt ihm Recht, mehr als 3500 Menschen haben die Ausstellung seit November besucht. Altindis schätzt die Besucher auf 95 Prozent Türken, 70 Prozent jünger als 25 Jahre – und erlebte eine Überraschung. „Etwa ein Drittel sind Kinder der sogenannten neuen Mittelschicht, vor allem junge Frauen mit schön dekorativen Kopftüchern. Entgegen allen Vorurteilen interessieren sie sich sehr wohl für Kunst.“ Und sie beweisen, dass Altındiş‘ Ausstellungsidee, das „innere Kind“ zu erwecken, funktioniert. „Sie fühlen sich berührt, es gibt sogar welche, die weinen“, erzählt er.

Bis April werden die Drachen noch hängen, dann wird ein zweiter Teil des Ausstellungsprojektes von „Leidenschaft“ handeln, und anschließend ein dritter Teil den Titel „Brücke“ tragen. Einen Raum hat Erdoğan Altındiş für Menschen reserviert, die mit Wandfarben ihre eigene kindliche Energie neu entdecken und austoben wollen. Dort drückt er ihnen einfach Pinsel und Farbtopf in die Hand. „Mach mal“, sagt er. Fast alle machen dann.

Fotos: Erdoğan Altındiş (8), privat (1), Frank Nordhausen (1)

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