Bomben, Raketen und ein Deutscher in Syrien

Erstaunt lese ich im Internet, was derzeit für ein Wind in Deutschland um die mögliche Stationierung der Patriot-Systeme in der Türkei gemacht wird. Das sind Defensivwaffen, um ballistische Raketen und angreifende Flugzeuge aus Syrien abzuwehren. Für mich eine Frage von Solidarität mit den Türken. Die Bewohner des türkisch-syrischen Grenzgebietes werden zurzeit täglich von explodierenden Bomben und Granaten nur wenige Meter entfernt in Syrien erschreckt, und manchmal treffen diese auch die Türkei. Es sind hier schon Menschen getötet und verletzt worden. Viele Türken sind zutiefst verunsichert.

Sollte das Assad-Regime in Damaskus überhaupt keinen Ausweg mehr sehen, ist durchaus damit zu rechnen, dass es im Todeskampf die ganze Region in die Hölle zu schicken versucht. Assad und seine Getreuen gehören schließlich einer apokalyptischen Sekte an. Es wäre schon gut, wenn die Türkei sich für den Fall der Fälle schützen könnte. Nun gibt es deutsche Politiker, die anderer Ansicht sind, wie der verteidigungspolitische Sprecher der SPD, Rainer Arnold, der der „Rheinischen Post“ sagte: „Ich kann im Augenblick nicht erkennen, dass von Syrien aus eine Gefahr für die Türkei in dem Ausmaß droht, dass sie mit Kampffliegern oder Raketen angegriffen wird.“

Das halte ich für naiv. Aber vielleicht sieht man die Dinge anders, wenn man in Istanbul lebt, auch einmal selbst im bombardierten Aleppo war und aus etwas näherer Distanz erfahren hat, wozu der Diktator in Damaskus fähig ist. Glücklicherweise ist die deutsche Debatte bisher in der Türkei überhaupt nicht wahrgenommen worden. Hier dreht sich alles in einem viel weiteren Sinne darum, ob die Nato insgesamt der Türkei nun hilft oder nicht. Man muss auch kein Anhänger der CDU sein, um es gut zu finden, wenn der Verteidigungsminister de Maizière erklärt: „Deutschland war 45 Jahre der Hauptnutznießer von Bündnissolidarität. Wenn jetzt ein Bündnispartner uns um eine solche Maßnahme bittet, dann ist es für uns klar, dass wir dem offen und solidarisch gegenüberstehen.“

Natürlich eignen sich die Patriot-Systeme auch dafür, eine Schutzzone in Syrien einzurichten – aber das kann die Türkei nicht ohne Zutun der Nato-Partner und vor allem die USA. Es müsste im Bündnis diskutiert werden, ob man das will oder nicht. Erst einmal würden die Patriot-Systeme wie ein großes militärisches Stoppschild wirken. Manche mögen es als Präjudiz ansehen, wenn deutsche Patriots und Soldaten erst einmal an der syrischen Grenze stehen. Okay. Aber dann müsste in Deutschland auch endlich einmal offen debattiert werden, ob man nun bereit ist, die aufständischen Syrer zu unterstützen, die syrische Bevölkerung vor dem Tyrannen zu schützen oder sich lieber wie im Fall von Libyen aus allem heraushält. Sicher ist: Lässt der Westen die Dinge einfach laufen, dann laufen sie gegen ihn. Dann übernehmen Kräfte das Kommando, die mit Freiheit und Demokratie absolut gar nichts im Sinn haben.

Zum Glück gibt es Menschen, die solidarisch und mitfühlend sind. Einer von ihnen ist Rupert Neudeck, der Gründer der Flüchtlingshilfsorganisation Cap Anamur. Vor zwei Monaten konnte ich ihn nach Syrien begleiten, und den folgenden Text habe ich später darüber geschrieben (Berliner Zeitung vom 9. Oktober):

Der gute Mann aus Deutschland

Rupert Neudeck geht dorthin, wo kein anderer hinwill, wo Krieg und Leid herrschen. Seine neueste Mission ist Syrien. Hier trifft er auf ein erschüttertes Land – und auf unerschütterlichen Optimismus.

Rupert Neudeck blinzelt schlaftrunken ins Neonlicht. Immer wieder fallen ihm die Augen zu. Um ihn herum sitzen ein Dutzend Männer, Syrer und Deutsche, auf dem Fußboden und horchen gespannt auf jedes Geräusch. Als die Bomben fallen und eine von ihnen detoniert, irgendwo da draußen, blicken sie sich einen Moment lang stumm an. Ido, der fromme Krankenpfleger mit dem schwarzen Vollbart, murmelt ein Gebet.

Eine halbe Stunde werden sie heute Nacht hier ausharren, in diesem Keller des kleinen Krankenhauses, in der syrischen Kleinstadt Azaz, nahe der türkischen Grenze. Eine halbe Stunde, bis Anas al-Heraky, der einzige Arzt, der hiergeblieben ist, Entwarnung gibt. „Die Flugzeuge sind weg, ihr könnt wieder schlafen gehen.“


Rupert Neudeck und der syrische Arzt Anas al-Heraky

„Uns mitten in der Nacht zu wecken, hätte ja nicht sein müssen. Aber es ist gut, dass sie auf die Sicherheit achten“, sagt Rupert Neudeck am nächsten Morgen. Der 73-jährige, hagere Mann mit dem weißen Vollbart hat vor über drei Jahrzehnten die deutsche Flüchtlingshilfsorganisation Cap Anamur gegründet. Das ist Geschichte, Neudeck hat Cap Anamur vor neun Jahren verlassen. Er wollte noch einmal neu anfangen, eine Organisation aufbauen, die kleiner, flexibler, wendiger ist. Sein neues Hilfswerk taufte er Grünhelme, grün wie der Islam. Es gehe darum, ein Zeichen für christlich-muslimische Zusammenarbeit zu setzen, erklärt Neudeck. Eine Organisation, die wieder aufbaut, was Kriege zerstören, vor allem Schulen und Krankenhäuser, zum Beispiel in Ruanda und Afghanistan. Zwei Vollzeitmitarbeiter haben die Grünhelme in Deutschland – und eine Menge freiwilliger Helfer. Neudeck sagt, es sei nur logisch gewesen, nach Syrien zu kommen, als die Nachrichten von Blutbädern und Zerstörungen, von Flüchtlingen und Verletzten gar nicht mehr aufhören wollten.

Jetzt steht er mit zwei seiner Freiwilligen, dem 62-jährigen Deutsch-Syrer Saru Murat und dem 32-jährigen deutschen Mechaniker Bernd Blechschmidt am Eingang des kleinen Krankenhauses, wo sich am frühen Morgen schon zwei Dutzend Patienten für die Behandlung anstellen, vor allem Frauen und ältere Männer. Ein junger Mann mit Kalaschnikow hält Wache. „Wenn man eine Aufgabe hat, kann man nicht aufhören damit“, sagt Neudeck. Das hört sich idealistisch an. Aber er ist kein Träumer. Er hat sich mit dem Außenministerium in Berlin abgesprochen, das in Syrien humanitär helfen will, aber nicht weiß, wo und wie.

Tatsächlich ist es schwierig, in Syrien zu helfen. Staatliche Hilfswerke dürfen während des Bürgerkrieges nicht tätig werden. Aber es gibt auch keine Ansprechpartner für humanitäre Organisationen im Rebellengebiet. Die will Neudeck nun finden. Es gebe einen riesigen Bedarf an Hilfe, sagt er, aber Deutschland habe, wie die anderen europäischen Länder, bisher so gut wie keine Hand für die Opfer gerührt. „Dabei ist Syrien das Vietnam unserer Zeit, eine ganze Bevölkerung ist in Not.“ Deshalb sei er hier. Zunächst für ein paar Tage. „Und deshalb muss es endlich losgehen“, sagt er, als die Gastgeber im Krankenhaus das Frühstück servieren.


Rupert Neudeck mit seinen Mitarbeitern Saru Murat (Mitte) und Bernd Blechschmidt an der türkisch-syrischen Grenze bei Kilis/Bab al-Salamah


Grenzposten der Freien Syrischen Armee


Improvisierte Visastelle der FSA


Der junge Kommandeur des Grenzpostens der FSA in Bab al-Salamah

Die Grünhelme wollen in Azaz allerdings nicht nur Ansprechpartner auftun und Gebäudeschäden reparieren, sondern auch herausfinden, was medizinisch benötigt wird. Eine Inventur, während nur 40 Kilometer entfernt in Aleppo der Krieg tobt. Ist das Risiko da nicht zu groß? Neudeck streicht sich über den Bart. „Wir sind keine Hasardeure. Aber wir gehen eben auch dahin, wo es keine totale Sicherheit gibt. Irgendjemand muss es ja tun.“

Nur der Anästhesist ist noch da

Neudeck hat auch entschieden, im Krankenhaus zu bleiben, obwohl Anas al-Heraky, der Arzt, die Deutschen in einem Wohnhaus einquartieren wollte. „Wir wollen den Leuten doch zeigen, dass wir zu ihnen halten.“ Damit geht Neudeck ein Risiko ein. Mehrfach sind Krankenhäuser von der syrischen Luftwaffe bombardiert worden. Azaz ist zwar eine „befreite Stadt“, aber das garantiert keine Sicherheit, geschweige denn ein normales Leben. Fließendes Wasser gibt es schon lange nicht mehr, und immer wieder stellt das Regime der Region den Strom ab. Dann muss im Krankenhaus der aus einem alten Deutz-Lkw-Motor gebastelte Generator angeworfen werden. Den nötigen Treibstoff besorgt das Bürgerkomitee, das die Stadt verwaltet.

Es ist gespenstisch still in Azaz. Die Hälfte der rund 70 000 Einwohner ist in die Türkei geflüchtet, und Benzin ist so teuer geworden, dass kaum ein Auto fährt. Azaz war die erste Ortschaft, die den Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA) nach wochenlangen Kämpfen Ende Juli dauerhaft in die Hände fiel. Etwa ein Viertel der Häuser liegt in Trümmern, und es gibt gewaltige Trichter von den Fliegerbomben. „Die Bomben werden völlig willkürlich abgeworfen“, sagt Anas al-Heraky.

Der 33-jährige Arzt ist Vater von drei Kindern. Ein stämmiger, mittelgroßer Mann mit blassblauen Augen, der gerne lacht, ein Energiebündel. Doch als er von der Situation in der Stadt erzählt, ist jede Heiterkeit verschwunden. „Sie treffen hier ausschließlich Zivilisten. Frauen, Kinder, alte Männer. Denn die jungen Männer kämpfen ja an der Front in Aleppo.“ Bei einer Explosion Mitte August starben mehr als 80 Menschen, und über 150 wurden schwer verletzt. „Wir waren vollkommen hilflos. In wenigen Minuten wurden 50 Verwundete gebracht.“ Der Krieg, sagt der Arzt, sei viel zu groß ist für die kleine Klinik. An jenem Tag seien mehrere Menschen unter seinen Händen gestorben. Und täglich würden Verwundete eingeliefert.


Kampfspuren in Azaz


Neudeck und seine Mitarbeiter informieren sich über die Zerstörungen in Azaz


An dieser Stelle mitten in Azaz starben bei einem Bombenangriff des Regimes im August 2012 mehr als 50 Menschen


Sie alle haben bei dem Bombenangriff Angehörige verloren. Sie sagen, es sei eine verbotene Vakuumbombe gewesen.


Dieser Neubau in Azaz wurde bei einem nächtlichen Bombenangriff des Regimes völlig zerstört. Glücklicherweise waren die Bewohner nicht im Gebäude.

Vom Eingang her tönt ein Ruf: „Der Wagen ist da!“ Vor dem Krankenhaus hält ein weißer Kombi mit der roten Aufschrift „Ambulance“. Anas al-Heraky springt vom Frühstück auf. Gewimmel im Gang. Ein junger Mann wird auf einer Liege aus einem der Krankenzimmer geschoben. Er hängt am Tropf, hat eine Schusswunde in der Brust, die Lunge ist verletzt. Zwei Stunden zuvor wurde er aus Aleppo gerettet. Jetzt wird er im Laufschritt in den Krankenwagen verladen, ein Händedruck, dann ist der Transporter wieder auf dem Weg in die Türkei. „Wenn die Türken uns nicht helfen würden, wären wir verloren“, sagt al-Heraky. „Wenn operiert werden muss, bringen wir die Patienten nach Kilis über die Grenze, wo sie umsonst behandelt werden. Wir sind den Türken zutiefst dankbar dafür.“

Operationen führt Anas al-Heraky nie durch, denn streng genommen ist er kein richtiger Doktor, sondern Anästhesist. „Aber ich bin der einzige, der übrig ist, was soll ich tun?“, fragt er und reibt sich die Augen. Er hat nur vier Stunden geschlafen. Das sei normal, sagt er und kehrt zum Frühstück zurück.

Frühstück auf dem Krankenhausflur

Gegessen wird auf dem Fußboden, nicht auf Teppichen, sondern auf den blitzsauberen Kacheln mitten im Gang zwischen den Krankenzimmern. „Das gibt es wohl nur in Syrien – ein Krankenhaus, wo man vom Boden frühstücken kann“, sagt Rupert Neudeck. Anas al-Heraky lacht. Dann erzählt er, dass in der Nacht niemand verletzt worden sei. Der Sprengkörper sei exakt in der Mitte der Hauptstraße explodiert. „Viele Menschen sind trotzdem voller Panik in die Oliven gerannt.“ Hunderte, wenn nicht Tausende, schliefen seit Wochen schon in den Olivenhainen, die Azaz umschließen und von denen die Stadt lebt. Auch Menschen aus anderen Landesteilen irren umher, Flüchtlinge im eigenen Land. „Und es ist niemand hier, um zu helfen. Nicht einmal die Vereinten Nationen.“


Frühstück auf dem Krankenhausflur; ganz rechts: Anas al-Heraky

Tee und Zigaretten werden herumgereicht. Dann klatscht Anas al-Heraky in die Hände und springt auf. Er ist bereit für die Patienten. Die meisten plagen Alltagsbeschwerden: Durchfall, Erkältung, Knochenbrüche. Aber es kommen auch Verwundete zur Nachbehandlung. Und viele, die traumatisiert sind wegen der Kämpfe, der Toten, der Bomben. „Wir haben einen gewaltigen Verbrauch an Schlaftabletten“, sagt al-Heraky. Er legt einem kleinen Jungen, der sich das Bein gebrochen hat und leise weint, den Gips an. Redet mit ihm, bis der Kleine lachen muss. Dann versorgt er einen Kämpfer der Freien Syrischen Armee, der an einer Schusswunde im rechten Oberarm laboriert. Anschließend eine ältere Dame auf Krücken, die nach Beruhigungsmittel fragt.

Er sei überrascht, sagt Neudeck, wie gut die medizinischen Apparate in der Klinik seien. Vieles habe man aus dem beschädigten staatlichen Kreiskrankenhaus geholt, erläutert Anas al-Heraky. Auch ein Röntgengerät. In den Kellerräumen sind Medikamente gestapelt, dazu Spenden aus der Türkei. Der gesamte Betrieb ist auf Spenden angewiesen. Vieles fehlt: Antibiotika, Beruhigungsmittel und Blutreserven. Auch Neudeck hat einen Koffer voller Medikamente mitgebracht.

Bombenexplosionen haben die Gebäudedecken beschädigt, die meisten Fensterscheiben sind gesprungen. Die kleine private Klinik, 2003 gegründet, hatte ursprünglich acht Ärzte. Doch nur Anas al-Heraky ist geblieben. Unterstützt wird er von freiwilligen Helfern. Medizinstudenten und Krankenschwestern, Taxifahrern und Friseuren, oder Automechanikern wie Ido, der Bärtige, dessen Werkstatt einem Bombenangriff zum Opfer fiel. Ido hat für die Freiheit seiner Stadt gekämpft, wurde zweimal verwundet, in der Türkei operiert, ist genesen und jetzt die rechte Hand des Arztes. Er sorgt dafür, dass der Betrieb im selbstverwalteten Krankenhaus nie stockt. Ido teilt die Helfer ein und hat noch die Kraft, um zu Mitternacht Spottlieder auf den Präsidenten Baschar al-Assad zu singen.

150 Patienten betreut sein Chef und Freund al-Heraky am Tag. Wenn Bomben fallen, sind es weit mehr. „Was wir in Syrien brauchen?“, fragt al-Heraky. „Ärzte, Ärzte, Ärzte!“ Dem jungen Doktor, seiner Energie, seinem Optimismus ist es zu verdanken, dass das Krankenhaus zum sozialen Zentrum geworden ist. „Die Leute finden bei ihm Zuwendung und Hoffnung – das ist der Grund, warum so viele herkommen“, sagt Rupert Neudeck. „Wie so oft sind es die Krankenschwestern oder Pfleger, die den Laden schmeißen, wenn es eng wird.“ Er denkt kurz nach. Dann sagt er zu al-Heraky: „Wir brauchen also einen Chirurgen, einen Facharzt für Inneres, einen Kinderarzt, eine Frauenärztin. Und einen Krankenhaustechniker.“ Jede Hilfe sei hochwillkommen, erwidert der Syrer und umarmt Rupert Neudeck.

Gekommen, um zu bleiben

Die deutschen Helfer besichtigen an diesem Tag noch zwei zerstörte, geplünderte, völlig verdreckte Schulen und das staatliche Krankenhaus am Ortsausgang. Es diente der syrischen Armee als Hauptquartier. An die Wände haben Regimesoldaten Durchhaltegraffiti geschmiert: „Baschar oder Tod“. Trotz Plünderung sind acht Dialysegeräte für Nierenkranke, Spezialkühlschränke und Blutzentrifugen übrig geblieben. „Die Ausstattung ist fantastisch“, sagt Neudeck. „Guter Zustand. Alles reparabel.“

In einem Haus außerhalb der Stadt wartet dann der lokale FSA-Kommandeur, ein kräftiger, dunkelhäutiger Mann, auf die deutschen Gäste. Abu Ibrahim, wie ihn alle rufen, fungiert jetzt auch als Bürgermeister in Azaz. Was Rupert Neudeck ihm zu sagen hat, hört sich der frühere Einzelhändler aufmerksam an. Er schätze die Deutschen, sagt er, sie seien bekannt für ihre Zuverlässigkeit. „Es war schon mal eine andere Organisation da, aber sie sind wieder weggegangen.“ Neudeck guckt einen Moment verdutzt, dann lacht er und sagt: „Wir kommen, um zu bleiben.“


FSA-Kommandeur Abu Ibrahim (Mitte), Brigade „Sturm des Nordens“


Logo der FSA-Brigade „Sturm des Nordens“


Rupert Neudeck, sein Mitarbeiter Bernd Blechschmidt und Abu Ibrahim (von rechts nach links)

Eine Woche später ist Neudeck zurück in Deutschland, um den Einsatz vorzubereiten. Seine beiden Mitarbeiter hat er im Krankenhaus von Azaz zurückgelassen. Anas al-Heraky hat den Grünhelmen einen großen Raum als Basisstation zur Verfügung gestellt. Sie haben bereits mit dem Wiederaufbau der Kellergewölbe begonnen. Mittendrin steht Neudecks Mitarbeiter Saru Murat. Er sieht erschöpft aus, aber er ist zufrieden. Es gehe voran, sagt er. Ein Glaser hilft mit den Fenstern, ein Händler liefert Baumaterial. Sogar ein syrischer Chirurg aus den USA ist da, hat Urlaub genommen, um hier zu sein. „Die Leute hier sind unendlich froh über jeden, der ihnen beisteht“, sagt Saru Murat. „Wenn so viele fliehen, macht es ihnen Mut, wenn jemand freiwillig herkommt.“


Fliegerangriff in der Nacht – die Bombe fiel mitten auf die Hauptstraße von Azaz; glücklicherweise wurde niemand verletzt.


Der provisorische Stadtrat hat einen Bagger organisiert, um den Schutt wegzuräumen.

Ein Gedanke zu „Bomben, Raketen und ein Deutscher in Syrien

  1. Vielen Dank für den Livebericht aus Syrien.
    Schade, dass es so wenige Rupert Neudeck´s und ebenso wenige realberichtende und sachkundige Journalisten gibt.
    Ich wünschte, Ihre Ansichten zur Stationierung der Patriots würden in den deutschen Printmedien gedruckt werden.
    Stattdessen wird beschämend geschrieben, als ob die Türkei die Bundesrepublik in einen türkischen Krieg ziehen wolle und die 170 deutsche Soldaten der türkischen Armee den „Rücken freihalten“ damit diese die unschuldigen Kurden = PKK „abschlachten“ können.
    Nach dem „Dienst des Mohres als eiserne Festung“ im Kalten-Krieg, soll der Mohr nun gehen.
    Dass die Türkei rd. 40 Jahre die Freiheit u.a. der Bundesrepublik geschützt hat, ist in keinem Gedächtnis eines deutschen Politikers, Journalisten geschweige denn dem Otto-Normal-Verbraucher bekannt.
    Immer wieder muss ich an den Spruch, der Atatürk zugeschrieben wird, denken, der übersetzt besagt
    „Der Türke hat keinen Freund außer dem Türken“
    Leider, immer wieder wahr!
    Möge sich die Lage in Syrien bald klären und Frieden in die Region einkehren.

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