Die große Show des großen Meisters

Am heutigen Sonntag hatte ich ein echtes Erfolgserlebnis, auch wenn die Umstände ärgerlich waren. Ich wollte nämlich zur großen Erdoğan-Show nach Yenikapı, wo die AKP-Stadtregierung eine gewaltige Kundgebungsfläche im Meer hat aufschütten lassen. In den letzten zwei, drei Tagen war die ganze Stadt mit riesigen Plakaten und Transparenten vollgehängt, die den „großen Meister“ zeigten, der seine Schäfchen nach Yenikapı zur Einweihung des Aufmarschplatzes einlud. In den letzten Stunden wurden Millionen von Einladungs-Einweihungs-SMS verschickt. Nun ja, Einweihung, es ging natürlich um den Kommunalwahlkampf, vermutlich mit öffentlichen Mitteln. Ich dachte, es wäre journalistisch gesehen eine gute Idee, sich das Spektakel anzugucken.

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Da mein Türkisch sich auf Gastarbeiterniveau bewegt, aktivierte ich meine frühere Mitarbeiterin, die auch tatsächlich Zeit und Lust hatte mitzukommen. Die Veranstaltung sollte um 15:00 Uhr beginnen, deshalb sagte ich zu ihr: „Wir sollten uns vielleicht um 14:00 Uhr in der Nähe treffen. Es könnte sein, dass viele Leute kommen.“ Ach was, meinte sie, „so viele werden es auch wieder nicht sein, lass‘ uns um 14:30 Uhr treffen, das reicht.“ – „Ich weiß nicht, dann schaffen wir es vielleicht nicht bis zur Veranstaltung.“ – „Mach‘ Dir keine Sorgen.“

Ich war dann trotzdem um 14:00 Uhr in Aksaray am McDonald’s, ein guter Treffpunkt, den ich schon oft benutzt habe. Man kann sich die Wartezeit mit einem guten Kaffee vertreiben. Schon die Anfahrt mit der Straßenbahn hatte mich nachdenklich gestimmt. Ich bekam anders als sonst keinen Sitzplatz, den die Tram war rappeldickevoll mit Kopftuchfrauen und Vorstadtmännern. Vermutlich waren sie von Üsküdar herüber gekommen. Ab Eminönü konnten gar keine neuen Fahrgäste mehr einsteigen, weil es platzmäßig nicht ging. Wie ich richtig vermutete, stiegen dann so ziemlich alle in Aksaray aus, um nach Yenikapı zu laufen. Ich schloss mich ihnen an, ach was, ich ließ mich mit ihnen treiben. Denn es war ein nicht enden wollender, riesiger Lindwurm aus Menschen, der sich Richtung Meer bewegte und der es jedem schwer machte, die Richtung zu wechseln.

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Hunderttausende für Erdogan

Gegen 14:00 Uhr erreichte ich den McDonalds, um 14:35 Uhr meldete sich meine Ex-Assistentin: „Frank, die ganze Stadt ist voll, alle Straßen sind verstopft, und in die Metro komme ich nicht rein, weil sie so voll ist.“ Ha! dachte ich, habe ich’s doch geahnt! Nun – das war mein Erfolgserlebnis. Ich hatte die Türken besser verstanden als eine Einheimische!

Aber ich hatte nichts davon als den kurzen Flash des hochmütigen Hochgefühls. Denn es sollte dann etwa 70 Minuten dauern, bis meine Übersetzerin auftauchte. 70 Minuten, die gefüllt werden wollten. Ich versuchte es erst mit Kaffee, dann mit Eis, dann nochmal mit Kaffee. Erstaunlicherweise musste man gar nicht anstehen, der McDonald’s verzeichnete keinen Besucheranstieg, obwohl draußen Tausende vorbeizogen. Das wäre in Berlin undenkbar. Wie oft habe ich resigniert die Käuferschlangen vor irgendeinem Dönerstand bei Berliner Demos betrachtet!

Als ich wieder rausging, erschloss sich mir schnell, warum sich niemand für den Big Mac interessierte: Die Leute draußen hatten alle ihre eigene Verpflegung dabei. Nicht mal die Wasser- und Simitverkäufer machten ein richtig gutes Geschäft. Und der Mann mit den Ledergürteln neben dem McDonald’s verkaufte in den 70 Minuten kein einziges Stück, während Tausende potentieller Kunden vorbeimarschierten. Dem armen Mann muss das Herz geblutet haben. Er blickte missmutig auf die AKP-Menschen mit ihren blauen und roten und weißen Fähnchen und den Glühbirnentransparenten (die Glühbirne ist das Parteisymbol der AKP). Manchmal kam eine Gruppe junger Frauen vorbei (bei diesem Event trugen so gut wie alle Kopftücher), und sie brüllten aus Leibeskräften: „Re-cep Tay-yip Er-do-gan!“

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Nachdem ich mir die Gerüche, Farben, Klänge und was noch von journalistischem Nutzen sein konnte, notiert hatte, dachte ich, dass ich es wenigstens probieren könnte, mit den Leuten ausländisch zu reden. Große Erwartungen hegte ich nicht, aber bei Zehntausenden Menschen müssten doch welche zu finden sein, die Englisch, Französisch, Spanisch oder Deutsch verstünden. Tja, denkste! Bei den meisten hatte es von vorneherein keinen Sinn, sie anzusprechen. Kürzlich war ja bekannt geworden, dass der türkische Englischunterricht ungefähr so wirkungsvoll ist wie Homöopathie.

Die Macht der Vorstädte

Es kam mir vor, als seien sämtliche Vorstädte Istanbuls unterwegs. So viele würdige Herren mit weißen Rauschebärten habe ich mein Leben noch nicht gesehen. Sie kamen eher nicht in Frage, aber auch die Jugend machte einen bildungsfernen Eindruck, der sich bei jedem Ansprechversuch bestätigte – obwohl ich schon Ausschau hielt nach Anzeichen eines studentischen Lebenswandels. Irgendwie kann man Intellektuelle erkennen, behaupte ich. Nach dem zwölften Versuch gab ich es auf. Aber im Grunde ist das auch ein Rechercheergebnis. Bei der Gezi-Revolte konnten fast alle Englisch, die ich ansprach.

Als meine Ex-Assistentin endlich kam, schlugen wir uns erstmal nach Yenikapı durch, was schwer genug war, aber ungefähr 200 bis 300 Meter vor dem Ziel war Schluss. Wir konnten die Bühne und die abgesperrte Aufmarschfläche von weitem sehen, aber näher zu kommen, hätte den Einsatz der Ellenbogen erfordert. Erdogan hatte Verspätung. Wortfetzen irgendwelcher Einpeitscher waren zu hören, verstehen konnte man so gut wie nichts. Die Menschen waren trotzdem zufrieden. In den kurzen Interviews, die im allgemeinen Gerempel und Geschiebe möglich waren, äußerten sie ihre Genugtuung, dass sie dabei sein konnten, um ihren „Başbakan“, den Ministerpräsidenten, zu unterstützen. Denn deswegen waren sie ja gekommen.

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„Die Türkei ist in Gefahr“, „böse Mächte wollen uns Böses“, „sie wollen Tayyip Erdoğan stürzen“ – das war die einhellige Meinung. Einige trugen Schilder mit sich, in denen sie gegen den „Parallelstaat“ wetterten – die Gülen-Bewegung, hinter der „die Juden“ stecken, wie ich mehrfach zu hören bekam. Viele hatten AKP-Mützen aufgesetzt oder trugen Erdoğan-T-Shirts. Ich sah sogar eine Gruppe junger Kopftuchmädchen mit Erdoğan-Masken.

Ist ein Dieb ein Dieb?

Manchmal kam eine gewisse Aggressivität zum Tragen. Im allgemeinen sind die Türken ja sehr deutschfreundlich. Aber heute musste ich mich doch in Acht nehmen, um Diskussionen nicht ausufern zu lassen. Zwei heikle Punkte gab es: das Twitterverbot und die Korruption. Twitter zu verbieten, fanden alle okay, weil dahinter auch der böse Gülen und das Ausland stecken, die die Türkei madig machen wollen, weil sie zu stark wird. Bei Einwänden, dass die Meinungsfreiheit ein hohes Gut sei, wurde es dann schnell grundsätzlich. Meinungsfreiheit ja, aber nicht, wenn der „Başbakan“ angegriffen werde.

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Richtig zur Sache ging es immer beim Thema Korruption. Ausnahmslos alle, mit denen ich sprach, glaubten, dass die Tonmitschnitte Fälschungen seien. Tenor: „Erdoğan kann nicht korrupt sein, denn er ist ein gläubiger Mensch.“ Kam ich ihnen mit unserem Bundespräsidenten Wulff, der nur wegen des Verdachts eines Schmiergeldes von 700 Euro zurückgetreten war, sagten sie: „Man kann Deutschland nicht mit der Türkei vergleichen.“ „Aber ein Dieb ist ein Dieb“, erwiderte ich. „Es gibt keine Beweise“, hieß es dann. Das war der Punkt, an dem sich die Geister schieden, etwa 50:50, würde ich sagen. Wenn ich nämlich die Anschlussfrage stellte, ob Erdoğan zurücktreten müsse, wenn man ihm Korruption nachweisen könne, sagten die einen: „Selbstverständlich“, während die anderen meinten: „Alle Politiker stehlen. Aber Erdoğan hat so viel Gutes getan.“

Zwei Mal wurden Männer mittleren Alters fast handgreiflich, einer verfolgte uns regelrecht und brüllte, ich sei ein „ausländischer Spion“, ein Jude und Deutscher und überhaupt ein Feind. Er machte damit andere wild, die ebenfalls grimmige Gesichter bekamen. „Nur weg hier“, sagte meine Begleiterin. Ähnliches hatte ich zuletzt auf dem Tahrir-Platz in Kairo erlebt, nachdem Mubarak den Mob gegen ausländische Journalisten aufhetzte, die er wie Erdoğan „Spione“ nannte. Irgendwie herrschte heute in Istanbul keine entspannte Feiertagsatmosphäre. Die Anhänger Erdoğans sind viele, aber sie fühlen sich in der Defensive. Es war kein gutes Zeichen, dass auch wieder Männergruppen in weißen Leichentüchern mitmarschierten, die wie irre brüllten: „Tayyip, wir sterben für dich!“

Der weiße Hubschrauber

Mit enormer Verspätung kam Erdoğans weißer Hubschrauber, die Menschen riefen einander zu: „Da kommt er!“, der Meister drehte eine Ehrenrunde wie ein antiker Kriegsherr auf seinem Feldherrnhügel und setzte dann zur Landung an. Leider konnten wir kaum ein Wort von dem verstehen, was er sagte. Überhaupt konnten die meisten kaum etwas hören, denn zwei Hubschrauber knatterten immer wieder über die unübersehbare riesige Menge der – ja, wieviel Menschen? Ich fragte einen Polizeioffizier, und der Mann antwortete: „Nach unseren Schätzungen mehr als zwei Millionen.“ Wow! Das wären mehr Leute als auf dem Alexanderplatz am 4. November 1989!

Möglich wäre es. Ich habe selten so viele Menschen auf einem Fleck gesehen, beispielsweise in Prag 1989. Als wir uns nach etwa 20 Minuten unverständlicher Ansprache entschieden, dem Massenabmarsch zuvorzukommen, fluteten uns immer noch Neuankömmlinge entgegen, während nach guter türkischer Sitte viele wie wir vorzeitig gingen. Ich fragte zwei junge Frauen, Lehrerinnen, ob sie irgend etwas von Erdoğans Rede verstanden hätten? „Nein, nichts. Aber das macht nichts. Es ging ja nur darum, dabei zu sein. Um unsere Unterstützung für Tayyip Erdoğan zu zeigen.“ Erdoğan hat erreicht, was er erreichen wollte – eine Demonstration seiner gewaltigen Macht über die Menge aus den Vorstädten. Ob es reicht am nächsten Sonntag, das werden die Wähler entscheiden (falls es nicht zu Unregelmäßigkeiten kommt).

Nach Hause nahm ich die neue Metrolinie von Yenikapı zum Taksim-Platz. Sie war halb leer, es gab jede Menge Sitzplätze. Von dort sind die vielen Menschen nicht gekommen.

(Den ersten Satz habe ich am Montag verändert.)

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7 Gedanken zu „Die große Show des großen Meisters

  1. asa, „kopftuchfrauen“, schon de sarrazin jargon übernommen, auch sonst recht tendenziös gehalten

    • Hallo Eva, nicht ärgern – das ist mein Blog, in dem ich subjektiv und tenziös bin, was ich als Journalist sonst nur in Kommentaren sein darf. Das ist doch das Schöne an dieser Publikationsform. „Kopftuchfrauen“ ist vielleicht etwas flapsig wie auch „Bartmänner“, ich könnte auch umständlich schreiben: Frauen, die ein Kopftuch tragen“. Aber so sind wir Schreiber nun einmal, man sucht nach kurzen, treffenden Ausdrücken. Sarrazin (dessen Thesen ich verabscheue) hin oder her. FN

  2. Hey ho und guten Morgen aus Deutschland:-)
    Vielem Dank für deinen Bericht.

    Ich hab meine Wurzeln in Kadiköy. Fast meine ganze Familie lebt seit zig Generationen in Istsnbul, bis auf mich
    und meine Eltern. Meine Mum hat es vor 40 Jahren nach Heidelberg verschlagen
    wegen dem Studium- aber anderes Thema; will ja nicht abschweifen.
    Auch wenn ich selber auf den Pass reduziert gar kein Türke mehr bin so
    fühle ich mich ungebrochen verbunden mit meiner Herkunft und ärgere mich nach wie vor schwarz wie Massen von Menschen immer noch einem dahergelaufenen Schuhputzer hörig sein können und hoffe inständig, dass
    am 30ten die Mehrheit der Bevölkerung noch soviel Verstand haben werden und zumindest dieser gottlosen Partei eine Abfuhr erteilen werden. Große Sorgen habe ich dennoch weil ich diesem erdogan alles zutraue und in wie weit
    neutrale Wahlbeobachter vor Ort sein werden sei mal dahingestellt.
    Als mein Onkel vor einigen Monaten Ilken Basbuğ im Gefângnis besucht hatte
    (Sind seit der Akademie befreundet); wurde ein Tag später bei ihm zu Hause eingebrochen – gestohlen wurde nichts; dafür wurde ne ganze menge Unordnung verübt – . Aus Erdogans Sicht sind wir die ungläubigen. Kopftücher werden keine getragen bzw wurden nie getragen. Religiösitat ist begrenzt auf
    (Den inneren Frieden oder nach dem Motto das es eine private Sache zwischen jeden und Gott ist). Ob man nun suni oder si ist; Christ oder Jude ist zum Teufel scheiß egal – Hauptsache man ist ein guter Mensch. Was diese Partei macht ist – die Religion für ihre Zwecke vergewaltigen -. Es wird in jeder Frau ein lustobjekt gesehen, wenn sie nicht verschleiert . Freie Meinungsäußerung ist Out bzw. Man wird gleich als Feind dargestellt und wehe man ist kemalist (und dazu zählen wir uns) ist man in deren Augen gleich der Antichrist.

    Die Wirtschaft geht den Bach runter; das Leben im Istanbul ist kaum noch bezahlbar und in staatlichen Schulen wird der Koran gepredigt und so eine neue
    Generation von Dummies gezüchtet (so hätt’s der erdogan am liebsten).
    Und dann hört man die ollen kopftuchksmellen rauf und runter.
    Wenn ich alte Fotos mir ansehe (um 1900/1920) sind die Frauen von damals modebewusster als so ein junges Ding mit ihrem Kopftuch.
    Früher war ich stolz auf die Vielfältigkeit der Menschen die friedlich nebeneinander leben – erdogan hast geschafft nun jeden gegen jeden aufzuhetzen. Und dann wars irgendeine dunkle Macht oder der Parallelstaat oder die Juden, Europäer oder mal wieder die Amis.
    Ich bete für die Zukunft in diesem Land und das am Ende die demokratische Ordnung wiederhergestellt wird.

    Freue mich über eine. Folgebericht und vor allem aus deiner Sicht der Dinge 🙂

    Lieben Gruß aus Karlsruhe
    Alp

  3. Kopftuchfrauen und Bartmänner, ja wo kommen wir den hin, wenn diese Menschen jetzt auch noch Ihre politisches Mitspracherecht einfordern.

    Anscheinend wird hier verkannt, dass die Kopftuchfrauen und Bartmänner auch Bürger der Türkei sind und ein Wahlrecht haben.

    Zu einem gewissen Alp, der sich verächtlich über Schuhputzer aufregt, die jetzt Politik machen, möchte ich nur sagen, dass eben diese abgehobene Einstellung von den Kemalisten sie in den Augen des Volkes zu Feinden macht, was auch verständlich ist.

    Anscheinend kennt keiner die Türkei von vor 12 Jahren.

    Wo waren die Proteste der Gezi-Leute als täglich Kurden umgebracht wurden und die Schuhputzer nicht mal ihre Familien über die Runden bekamen. Als bei regierungskritischen Protesten scharf geschossen wurden und man Angst haben musste, gleich im Knast zu landen wenn man Atatürk nicht so dufte fand.
    Erdogan regiert autoritär? Autoritär war der Zwang zum Atatürk Kult und die Zeit vor Erdogan. Wo waren die Proteste früher, wenn die Polizei und das Militär unschuldige Menschen gefoltert , ja sogar getötet hat. Proteste gibt es merkwürdigerweise erst, seit gewisse Kreise Ihre Privilegien verloren haben und sie mit ansehen muüssen, das Kopftuchfrauen und Bartmänner die gleichen Bürgerrechte haben. Eben damit kommen die Kemalisten nicht klar. Als man sich nicht mit Fähigkeiten und Leistung messen musste, sondern Papas Beziehungen alles besorgt haben. Als man völlig ungestört den Staat und das Volk ausnehmen konnte. Man reiste mit zu unrecht erteilten Diplomatenpässen schön durch die Welt ,da lernt mal wohl auch ein wenig Englisch. Der gewöhnliche „Vorstadttürke“ musste um seine pure Existenz bangen. Fragt doch mal die Kurden warum Sie Erdogan in der Mehrheit wählen? Ach so, Sorry, vielkeicht sprechen die ja kein Englisch.

    • Hallo Erdal, politisches Mitspracherecht muss für alle gelten, da sind wir einer Meinung. Aber dann bitte auch ohne Zensur und mit gleichen Zugangsmöglichkeiten zum Fernsehen für alle parlamentarischen Parteien. Die Kurden haben übrigens gerade in elf der 14 überwiegend kurdischen Provinzen für die BDP-Kandidaten bzw. den unabhängigen Ahmet Türk (in Mardin) gestimmt. FN

      • da sind wir uns auch einig, dass gleiche Bedingungen für alle Parteien gelten müssen. Früher wurden die Parteien nicht beschränkt , sondern ganz verboten. Naturgemäss ist die Regierungspartei überall im Vorteil, weshalb man einen Ausgleich für die anderen Parteien braucht, aber es ist ja nicht so, dass die anderen Parteien ganz ohne Öffentlichkeit wären. Es gibt CHP freundliche Agenturen und Sender. Die BDP hat die wenigsten Möglichkeiten, aber immerhin kann sie auf regionale Sender und Medien bauen. Vor Erdogan gab es keine legale kurdische Partei. Die BDP hat in den 11 von 14 als kurdisch geltenden Provinzen gewonnen, richtig. Aber die Zahl der Kurden in anderen Regionen und verteilt auf das Land ist höher. Daher ist die AKP auch bei den Kurden äusserst beliebt. Im Grunde möchte ich nicht die AKP verteidigen, aber ich vergleiche eben die Türkei mit früher, und da bin ich wirklich froh was sich so alles zum Guten gebessert hat, und so geht es eben sehr vielen in der Türkei.

        • Hallo Erdal, ich kann Ihnen im Wesentlichen zustimmen. Tatsächlich haben sicher viele Kurden auch die AKP gewählt, und gegenüber früher hat sich in der Türkei vieles tatsächlich zum Besseren gewendet. Aber das heißt ja nicht unbedingt, dass es gut ist. Sonst hätte es die Gezi-Proteste nicht gegeben. Dass die Regierungspartei immer einen Vorteil besitzt, ist klar, aber in der Türkei wird schon arg übertrieben. 80-90 Prozent der Berichterstattung über den Wahlkampf im Staatsfernsehen war der AKP gewidmet. Davon abgesehen stellen sowohl ich wie die anderen deutschen Korresspondenten in der Türkei die unzweifelhaften Verdienste der AKP immer wieder und ausführlich dar. FN

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