Merhaba, liebe Internetgemeinde, liebe Leserinnen und Leser

Ein neuer Blog, noch ein Blog – braucht das irgendwer? Vielleicht nicht, vielleicht
doch. Vielleicht gelingt es mir, Sie für dieses oder jenes zu interessieren. Für
Neuigkeiten zum Beispiel aus der angesagtesten Stadt Europas. Aus der einzigen Metropole der Welt, die auf zwei Kontinenten liegt. Aus einer der ältesten Städte überhaupt, die – an ihrer Bevölkerung gemessen – zugleich eine der jüngsten ist. Aus Istanbul.Was immer an dieser Stelle steht, es wird mit der Türkei zu tun haben. Weil ich hier lebe. In Istanbul. Seit meiner Ankunft im Juli bin ich immer noch und immer wieder verzaubert von der Millionenmetropole zwischen Europa und Asien, Okzident und Orient. Alles ist hier irgendwie dazwischen, ambivalent und oft verwirrend.

Wir wohnen im sechsten Stock eines 50er-Jahre-Gebäudes in Cihangir, dem europäischsten Viertel der Stadt. Unser Haus liegt am Hang, es wurde an den Fels gelehnt. Von vorne muss man drei Treppen steigen, von hinten sechs. Der Balkon ist riesig und die Brüstung so niedrig, dass jedem deutschen Bauprüfer die Haare zu Berge stünden. Aber ausblickstechnisch ist das ein Segen, denn so habe ich freie Sicht durch die bis zum Boden reichenden Fenster auf die Schiffe. Und auf die Möwen, die dicht am Haus vorbeisegeln, riesige Tiere, die manchmal auf unserem Balkon landen und ziemlich respekteinflößend sind. Das Vogelflug- und Hafenheater vor den Fenstern macht hier den Fernseher überflüssig. Übrigens, ein Tipp für alle Istanbul-Reisenden: Es gibt nichts Schöneres als ein voll beleuchtetes Kreuzfahrtschiff, das nachts vor der Lichterkulisse der Stadt eine Kurve dreht. Leider kriegt man dieses Wunder nur alle vier bis sechs Wochen einmal zu Gesicht.

Was ich hier mache? Ich bin Reporter, Auslandskorrespondent, mit Büro in Istanbul. Ich komme aus Berlin, genauer: aus Spandau. Habe studiert in Dahlem, gelebt in Kreuzberg, Schöneberg, Friedrichshain, Mitte, Pankow, Prenzlauer Berg – und in Bukarest, Ankara, Kairo. Seit mehr als zwanzig Jahren bin ich nun Journalist, fünfzehn davon bei der Berliner Zeitung für die Seite 3. Und ich schreibe Bücher im Berliner Christoph-Links-Verlag.

Da die Chefredaktion der Berliner Zeitung und der Frankfurter Rundschau sich begrüßenswerterweise entschied, einen Korrespondenten nach Istanbul zu entsenden, wurde die Stelle besetzt, und zwar mit meiner Person. Jetzt arbeite ich also als Auslandskorrepondent. Das klingt für mich noch immer ungewohnt und gewöhnungsbedürftig. Neulich habe ich ein Interview mit Sarah Kuttner gelesen, die sagte, sie glaube, dass alle Erwachsenen das Erwachsenensein nur spielen. Wahrscheinlich ist das auch so, wenn man etwas ganz Neues wagt. Wenn man ein neues Leben beginnt. Mein türkisches Leben fühlt sich noch immer an wie ein Experiment. Und davon möchte ich an dieser Stelle berichten. Von meinem Alltag in der pulsierenden Weltstadt. In Swinging Istanbul. Von einer Stadt, die aufblüht und sich wie das ganze Land gerade der Welt öffnet. Die einen umwerfenden Optimismus und Glauben an die Zukunft ausstrahlt und – wie jetzt im Winter – auch von großer Schwermut sein kann. Ich möchte erzählen von den Problemen und Nöten ihrer Bewohner, ihren Festen, Freuden, Feierlichkeiten. Von ihrem Leben in einer der unruhigsten Regionen der Erde, von ihren Nachbarn, Freunden und Feinden. Von den Irrungen und Wirrungen der Politik in dieser  Weltgegend, die zu Europa und Asien gleichermaßen gehört und eine Brücke vom alten Kontinent zur islamischen Welt schlägt.

Es würde mich freuen, wenn ich Sie neugierig machen kann. Und, bitte, schreiben Sie mir, damit es nicht langweilig wird. Machen Sie Vorschläge. Fragen Sie. Ich garantiere keine Antworten, aber ich garantiere, dass ich jede Ihrer Zuschriften ernstnehmen werde.

12 Gedanken zu „Merhaba, liebe Internetgemeinde, liebe Leserinnen und Leser

  1. Hallo Herr Nordhausen,
    ich war einige male in Istnabul, bin der Sprache mächtig und dennoch habe ich das Gefühl, dass ich Istanbul nicht kenne. Vielleicht liegt es ja daran, dass ich Istanbul nicht alleine entdecken konnte, sondern immer begeleitet wurde. Eines Tages werde auch ich Istanbul – ohne Familienbesuch – entdecken. Also, ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen. Ece kann ich nur zustimmen.

    Viel Erfolg
    Nermin

  2. Hallo Ece,

    Sie haben vollkommen Recht mit Ihrem Hinweis. Ich war auch schon in den ausufernden Außenbezirken und den innerstädtischen Slumgebieten, aber das tägliche Journalistengeschäft lässt Alltagsgeschichten selten zu. Wenn Sie einen Vorschlag hätten? – rennen Sie bei mir offene Türen ein.

  3. Hallo Uli,

    Kontakt zu mir aufzunehmen, ist verhältnismäßig einfach über meine e-mai-Adresse: frank.nordhausen@berliner-zeitung.de

    Interessanterweise ist der türkische Kunstmarkt vor allem ein Binnenmarkt. Es hat auch einige Künstler aus Deutschland nach Istanbul gezogen, weil sie der Meinung sind, dort bessere Chancen zu haben.

  4. Es freut mich, wenn es jedesmal über die Stadt etwas geschrieben wird, wo ich geboren und 17 Jahre meines Lebens verbracht habe.

    Bis jetzt, wenn ich etwas über Istanbul blogartig lese, sind die Geschichten und Gesichter sehr romantisch dargestellt. Sie schreiben z.B., dass Sie von einem Balkon aus in Cihangir die Stadt und das Meer betrachten. Ist es tatscählich die wahre Istanbul? Waren Sie je in Kirac, in Mimarsinan, in Orhanli etc.? Das sind paar Namen von den Slums. Istanbul beschert ihre Bewohner nicht nur mir Meer, romantischen Ausblicken und Möwen…Sondern mit hoher Arbeitslosigkeit, mit Verkehrsproblemen, mit wenigen Schulen, mit wenigen staatlichen Krankenhäusern, mit 2b-Lagen (Sie haben bestimmt von dem Gesetzt gehört)…

    Ich hoffe nun, dass Sie nicht nur in dem alten Istanbuler Viertel bleiben, sondern uns ein der Wahrheit entsprechendes Bild zeichnen können. Dann folge ich Sie so gerne…Da ich diese Stadt besonders mit ihren Slums möge, wo die Menschen morgens müde aufwachen und sich auf einen sehr antstrengenden Tag begeben…

  5. Hallo Herr Nordhausen,

    was macht die Kunst in Istanbul – nach mienem Dafürhalten eine der mega-aufstrebenden Metropolen in diesem Bereich!? Wenn man sieht, welches Interesse einem auf der soeben zu Ende gegangenen Kunstmesse entgegenschlug, gepaart mit Offenheit und Neugier (auch auf Fremdes, nicht unmittelbar vertrautes), war das einfach gut!
    Wir arbeiten mit Künstlern aus der Stadt zusammen: bei uns in Berlin-Charlottenburg sind seit einer Woche Bilder und Photographien zum Thema „Schichtungen – Istanbul“ von Jochen Proehl zu sehen, einem Deutschen, der in Istanbul aufgewachsen ist und dort als Professor für Photographie lehrt;
    soeben hat die Ausstellung von Tayfun Erdogmus bei Galerie Nev, einer der angesagtesten Galerien Istanbuls, in Beyoglu begonnen – Arbeiten des Künstlers werden im Herbst bei uns in Berlin zu sehen sein.

    Und ich freue mich, mindestens einmal pro Jahr mit einem Ausstellungstermin einige Tage in dieser faszinierenden quirligen Stadt zu sein.

    Ich würde mich über einen Kontakt mit Ihnen freuen.
    Beste Grüße aus Berlin
    Uli

  6. Danke für den Hinweis, Herr K. – Und: Istanbul ist sicher mehr als eine Reise wert…

  7. Hallo Herr Nordhausen,
    heute erst die Verlinkung auf der Webseite der Berliner Zeitung gesehen.
    Ich war selber vor einem Monat zum ersten Mal in Istanbul und bin nachhaltig begeistert, die Stadt ist der Wahnsinnn. Blogs gibt es sicher viele, aber als Abonnent der Berliner werde ich hier sicher mal vorbeischauen. Als Gebührenzahler und weil die Videos schön sind, mag ich noch auf den Orient-Express der tagesschau verweisen:
    http://www.tagesschau.de/videoblog/orient_express/index.html

    Schönen Gruß!

  8. Das werden bestimmt interessante und kurzweilige Artikel.
    Jedenfalls bin auch ich gespannt und wünsche Ihnen viele (auch kritische) Leserinnen und Leser.
    Viel Erfolg !

  9. Hallo Ina,

    vielen Dank für die Glückwünsche. An Orhan Pamuk habe ich schon gedacht und werde die Anregung gern aufgreifen.
    Frank Nordhausen

  10. Viel Glück auf den Weg!
    Istanbul bietet so unglaublich viele Geschichten – jenseits der schon befahrenen Wege entstehen ohne Pause neue Pfade. Wie in einem Park über dem frischen Grün.
    Wäre ich an ihrer Stelle würde ich zuerst nach Orhan Pamuk schauen; Was macht das Museum der Unschuld?

Kommentare sind geschlossen.