Mordkommission Istanbul

Am heutigen Dienstag ist Kurban Bayramı (arabisch Aid el Kebir), der höchste islamische Feiertag, an dem im Nahen Osten traditionell Schafe und Kamele geopfert werden. Am Wochenende kam ich bei einer Fahrt in die Außenbezirke Istanbuls mehrfach an Freiflächen vorbei, wo sich bereits die Tiere zum Verkauf drängten. Immerhin werden sie hier nicht auf offener Straße geschlachtet wie in Kairo, wo wir wahre Blutströme sahen. Da in der Türkei kurzerhand die ganze Woche um das Opferfest zu Behördenferien erklärt wurde, ist es in der Stadt zurzeit angenehm ruhig. Aber die Staus stadtauswärts, als alle am Wochenende hinaus wollten in die Kurzferien, nahmen apokalyptische Ausmaße an.

Die Berliner Herbstferien endeten, als die türkischen begannen, und damit sind unsere Besucher wieder abgereist, die in der vergangenen Woche für viel Aufregung sorgten. Mein Freund K. wurde beim Schlendern auf der Atatürk-Brücke über das Goldene Horn von einer Radkappe getroffen, die sich von einem fahrenden Lastwagen löste. Sie traf sein linkes Bein. Er blutete mächtig und hatte schon Sorge, dass er sich den Schienbeinknochen gebrochen hätte, aber es ging glimpflich aus. Seltsamerweise nahmen der verletzte K. und seine Frau kein Taxi, um zu uns nach Cihangir zu gelangen, sondern liefen den ganzen Weg – für den man normalerweise knapp eine Stunde braucht!

154
Das corpus delicti.

Allerdings hätten sie sonst nicht die herzliche Anteilnahme der türkischen Mitbürger genossen, die den humpelnden K., wo immer er auftauchte, hingebungsvoll verarzteten, zum Verweilen einluden, ihm Tee brachten und kalte Umschläge machten. Dadurch brauchten die beiden zwei Stunden für die Strecke. K. zeigte mir stolz die Fotos der verbeulten Radkappe, die er trotz der Schmerzen noch geschossen hatte. „Mein Bein hat sich als härter erwiesen“, sagte er. Tatsächlich heilte die Wunde erstaunlich schnell. Vielleicht durch die Istanbuler Luft. Jetzt sind K. und C. wieder in Berlin, und er schrieb in einer E-mail: „Es ist jetzt gerade gelb und es juckt sehr schön – also es heilt. Und ich werde immer eine Erinnerung haben an Istanbul – auch ist die Narbe passend: ein Halbmond, 10 Zentimeter !!!“

Noch eine weitere Erinnerung haben die beiden mitgenommen, auf die ich sehr neidisch bin, wie ich gestehe. Als sie touristenmäßig in Eminönü zwischen der Yeni Cami und dem ägyptischen Basar herumliefen, bemerkten sie plötzlich eine aufgeregte Menschenmenge, die sich um einen Filmdreh scharte. Als sie näher traten, erkannten sie sofort, dass dort die deutsche Fernsehserie „Mordkommission Istanbul“ gedreht wurde. Das begeisterte Publikum bestand, wie meine beiden Freunde bezeugen, hauptsächlich aus Deutschen und Deutschtürken, die jede Drehpause nutzten, um ein Autogramm von Erol Sander zu erhaschen.

211
Dreharbeiten zu „Mordkommission Istanbul“ in Istanbul (Regie: Thorsten Schmidt).
212

209

Auch unsere Freundin C. (K.s Ehefrau) war sehr erregt, wie K. berichtete. Ihm gelang es, Erol Sander und dessen Sidekick Oscar Ortega Sánchez für ein Foto mit ihr zu gewinnen. C. war glücklich! Und ich bin gespannt, ob die beiden jetzt bei der Ausstrahlung der Folge im Fernsehen zu sehen sind (vorausgesetzt, der Film kommt auch in der ARD-Mediathek). Jedenfalls konnten sie mir den Wunsch nicht abschlagen, ihre Fotos hier im Blog zu veröffentlichen (leider nicht das Erinnerungsbild mit den beiden Schauspielern). Sie sehen, die Megalopolis Istanbul ist auch nur ein Dorf. Zum Glück war die schöne Idil Üner nicht dabei, die in der Serie die Frau des Kommissars spielt – dann wäre ich noch neidischer gewesen.

208-001
Die fröhliche Dame zwischen Oscar Ortega Sánchez und Erol Sander ist nicht unsere Freundin C.