Parallelgesellschaften

Nach einem kurzen Deutschland-Ausflug bin ich wieder in Istanbul angekommen und habe zuerst festgestellt, dass das Wetter sich kaum von Norddeutschland unterscheidet, es ist kalt, aber sonnig. Wer glaubt, dass Istanbul mediterranes Klima habe (wie die meisten meiner Bekannten), der liegt definitiv falsch. In diesem Winter hat es hier bedeutend mehr geschneit als in Berlin, wenn ich den Berichten meiner Berliner Freunde glauben kann und ihre Angaben mit dem Wetter am Bosporus vergleiche. Aber diesmal war ich auch in Hamburg und habe dort an einem Kongress von Turkologen teilgenommen. Turkologen sind Akademiker, die sich mit der Türkei befassen, mit ihrer Geschichte, Politik, Wirtschaft, Kultur, und sie sind an deutschen Universitäten meist den Islamwissenschaftlern angegliedert. Ich habe gelernt, dass es nicht sehr viele Turkologische Fakultäten in Deutschland gibt, dass diese meist nur einen Professor plus wissenschaftlichen Mitarbeiter aufweisen und dass ihre Absolventen es offenbar schwer haben, in Deutschland angemessene Arbeit zu finden. Zudem wurde gesagt, dass für die Turkologie immer weniger Geld zur Verfügung stehe und Stellen gestrichen werden. Das finde ich schwer verständlich angesichts der Tatsache, dass immerhin mehr als zwei Millionen Türkischstämmige in Deutschland leben. Hier werden offensichtlich Chancen vertan oder gar nicht wahrgenommen.

So interessant der Kongress war, am stärksten in Erinnerung geblieben ist mir ein abendlicher Ausflug mit einer Gruppe von deutsch- und türkischstämmigen Turkologiestudenten. Wir landeten schließlich in einem türkischen Restaurant in Hamburg-Mitte, wo es eine Freude war mitzuerleben, wie die Leute aus unserer Gruppe sich mühelos auf Türkisch verständigen und mit dem Wirt Witze reißen konnten. Ich fühlte mich plötzlich aufgehoben in einer Parallelgesellschaft, die man in Deutschland normalerweise nur von der anderen – der außenstehenden – Seite wahrnimmt. Ich habe zwar türkische Freunde in Berlin und bin mit ihnen auch oft in türkischen Lokalen eingekehrt, aber jetzt ist es anders. Es hat natürlich mit meinem Leben in Istanbul zu tun. Plötzlich erscheint mir die deutschtürkische Welt viel mehr als ein Teil meiner selbst. Viel vertrauter. Wahrscheinlich ein normaler Anpassungsvorgang, den ich als große Bereicherung empfinde.

Kaum zurück in Istanbul, fielen mir auch hier wieder die zahlreichen Parallelgesellschaften auf. Wenn ich von unserer Wohnung zur Fußgängerzone Istiklal Caddesi laufe, passiere ich mindestens fünf davon: die Bohemiens und Schauspieler in unserem Viertel Cihangir, ein paar Straßen weiter Richtung Galata bettelarme Familien in windschiefen Abrisshäusern, in Galata die Reichen und Schönen in ihren Luxusapartments, nahe der Istiklal Caddesi die Gauner, Schlepper, Straßenhändler und überall dazwischen die ganz einfachen, normalen Menschen, die oft aus dem fernen Anatolien stammen und vermutlich die islamisch-konservative AKP wählen (denn die regiert auch das Szeneviertel Beyoglu, in dem sich all dies abspielt).

In der Fußgängerzone sah ich vorhin dann wie so häufig mehrere Gruppen von Demonstranten: Kopftuchfrauen, die für Frauenrechte und den gerade im Parlament diskutierten Gesetzesvorschlag zum Schutz vor häuslicher Gewalt eintraten (am 8. März ist internationaler Frauentag, dem hier große Beachtung geschenkt wird); junge Männer mit wehenden Fahnen, auf die in grüner arabischer Schrift vermutlich Koransuren gemalt waren (ich hatte keine Zeit nachzufragen) und eine kleine Truppe, die lautstark Parolen gegen den französischen Präsidenten Sarkozy rief.

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Sarkozy ist unbeliebt, weil er die Türken immer wieder an eine historische Schuld erinnert – den Völkermord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg, der hier offiziell nicht Völkermord genannt werden darf.

Und dann war ich auch schon in meinem Lieblingsklub „Babylon“, in dem heute abend die vortreffliche Soulband „Ben l'Oncle Soul“ aus Paris auftrat – sehr empfehlenswert! Der Sänger Benjamin Duterde erinnert in seinen besten Momenten an Stevie Wonder und kann Ray Charles lebensecht imitieren; er und die beiden schwarzen Backing Vocals-Sänger können sich unglaublich gut synchron bewegen. A propos Parallelgesellschaften: Während draußen bitterböse auf die Franzosen geschimpft wurde, fragte besagter Sänger, nachdem seine neunköpfige Combo die Menge richtig in Schwung und zum Tanzen gebracht hatte: „Do you like France?“ Und alle brüllten, kreischten, sangen: „Oh yeah!“

2 Gedanken zu „Parallelgesellschaften

  1. Ich habe selbst Turkologie studiert. Was allerdings vergessen wird ist, das dieses Fach sich mit den Turksprachen beschäftigt, und das ist bei weitem nicht nur das Türkei-Türkische sondern geht bis zum Uigurischen, was ja von der Minderheitengruppe in China gesprochen wird. Ansonsten ist es ein echtes Exoten-Fach – keiner weiss davon.

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