Unterwegs mit Turkish Airlines

Die vergangene Woche verbrachte ich zum großen Teil in Berlin, da mir die Ehre zuteil wurde, einen Journalistenpreis für einen Text über Aleppo verliehen zu bekommen. Auf dem Rückweg nahm ich das kühle Herbstwetter von Berlin nach Istanbul mit, was zu einer dieser berüchtigten harten Schlechtwetter-Landungen auf dem Atatürk-Airport führte. Es war die Maschine mit dem schönen Namen „Mardin“ der Fluglinie Turkish Airlines. Bis auf die Landung war der Flug absolut perfekt, und man kann die netten Flugbegleiter/innen und das gute, frische Essen an Bord gar nicht genug loben und empfehlen.

Auf dem Hinflug servierte der Koch vor dem Essen sogar kleine Kaviar-Häppchen, zur Feier eines historischen Datums. Denn es war, wie der Käpt’n über die Bordlautsprecher verkündete, der 40. Jahrestag des ersten Flugs der Airline von Istanbul nach Berlin. Ich musste daran denken, dass wir West-Berliner ebenso wie die meisten Türken nichts von der glanzvollen Zukunft ahnen konnten, damals vor 40 Jahren. Denn zu jener Zeit sprach noch niemand von Turkish Airlines, sondern die Firma hieß schlicht „Türk Hava Yollari“, was neben „Merhaba“ wohl der einzige türkische Ausdruck war, den die meisten Frontstädter kannten. „Türk Hava Yollari“ stand an unzähligen Rumpel-Reisebüros, in die sich ein eingeborener West-Berliner (oder Spandauer wie ich) nie verirrte. Türkenflieger halt, mit denen Ali und Ayse im Sommer heim nach Anatolien gondelten. Mit zweifelhaftem Ruf.

Irgendwann nach dem Wahlsieg der AKP 2002 änderte sich das. Während Vielflieger das Kürzel „THY“ früher als „They hate you“ buchstabierten, wurde aus dem Gastarbeiter-Carrier plötzlich ein hochmodernes Luftfahrt-Unternehmen mit nahezu perfektem Service. Für alle Istanbul-Berlin-Pendler ist „Turkish“ ohnehin erste Wahl, weil die Airline im Winter die Strecke praktisch allein nonstop befliegt und zudem unschlagbar billig ist. Damit macht sie sich um die deutsch-türkische Freundschaft verdient.

Nett zu den Passagieren – hart zu den Angestellten

Nirgends sonst ist der Online-Check-In so einfach, und sobald ich auf meinen Lieblings-Fensterplatz sinke, weiß ich, dass ich in zweieinhalb Stunden in Berlin bin. Schneller als früher mit der Bahn von Spandau nach Hamburg. Das ist Globalisierung und Berlin ein Vorort von Istanbul. Dank Turkish Airlines. Wie schön, dass es auch immer noch ältere Türken gibt, die dem Kapitän nach der Landung Beifall spenden und am Gate von der Großfamilie begrüßt werden. Als weitere Reminiszenz an die Gastarbeitertage darf man als Economy-Passagier dreißig Kilo Gepäck aufgeben!

Inzwischen gilt Turkish Airlines als ernsthafter Konkurrent der Lufthansa und hat dieses Jahr zum dritten Mal den Titel als „beste Luftfahrtgesellschaft Europas“ eingeheimst. Verdientermaßen. Ich kenne zum Beispiel keine andere Fluglinie, bei der die Sicherheitsgurt- und Sauerstoffmasken-Filme durch Slapstick-Elemente aufgeheitert werden. Zum Beispiel beim Thema Gebrauch der Notrutschen. Durcheinander Rutschen ist falsch, lernen wir; hintereinander richtig. Vor allem aber ist das frische Essen zum Markenzeichen von „Turkish“ geworden. Vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit, eine Führung durch die Catering-Hallen von Turkish Airlines bzw. deren Verpflegungsfirma Do&Co am Istanbuler Atatürk-Flughafen mitzumachen – es wird tatsächlich alles am selben Tag frisch zubereitet – und später im Flieger in der Mikrowelle erhitzt. Das dürfte ziemlich einzigartig sein in der Welt über den Wolken. Kein Wunder, dass die Hürriyet vor einiger Zeit meldete: „Restaurantkette in Hongkong serviert ab sofort die gleichen Menus wie auf den Flügen von Turkish Airlines. Überall in Hongkong.“

So gut der Service, so kritikwürdig ist der Umgang der halbstaatlichen Turkish Airlines mit kritischen Mitarbeitern, den man nur als rufschädigend bezeichnen kann. Länger als ein Jahr schon dauert ein Arbeitskampf von Hunderten Turkish-Airlines-Mitarbeitern, die im Juni 2012 mit einem Bummelstreik gegen einen Gesetzentwurf der Regierung protestiert hatten, der dem Flugpersonal Streiks generell untersagen sollte. Turkish-Airlines-Chef Temel Kotil ließ 305 Mitarbeiter wegen „illegalen Streiks“ sofort feuern. Das Gesetz wurde von der Justiz kassiert, und kürzlich entschied ein Gericht, dass auch die 305 entlassenen Arbeiter wieder eingestellt werden müssten. Doch Turkish Airlines weigert sich bisher, das zu tun. Auch ein neuer Streik von rund 4000 THY-Angestellten im Mai und Solidaritätsstreiks anderer Gewerkschaften haben an dieser Haltung bisher nichts ändern können. Der Konflikt schwelt weiter.