Fluchtpunkt Zypern: Die Insel der Gestrandeten

Auf Zypern bleiben Asylanträge oft jahrelang unbearbeitet. Das Land hat gemessen an der Bevölkerungszahl mehr Geflüchtete aufgenommen als jeder andere EU-Staat – die Behörden wirken überfordert.

Das zyprische Erstaufnahmelager Pournara nahe Nikosia.

Es sei so friedlich an diesem Ort, sagt Shadi Al-Jasam leise auf die Frage, wie er sich fühle. „So sicher.“ Der 23-jährige Syrer ist zusammen mit seinem besten Freund Ibrahim Jadoh drei Tage zuvor im einzigen Auffanglager für Geflüchtete auf der Insel Zypern im östlichen Mittelmeer angekommen. Dem Krieg in der letzten syrischen Rebellenprovinz Idlib entronnen, wirken die beiden jungen Männer auf eine tastende, vorsichtige Weise entspannt. Das kleine Camp von Pournara mit Platz für rund 150 Menschen liegt am Rand eines hässlichen Gewerbegebiets nahe der Inselhauptstadt Nikosia. Es wird gerade umgebaut und erweitert. Al-Jasam und Jadoh sitzen an diesem heißen Septembertag unter einem Wellblechdach zusammen mit anderen Syrern aus Idlib, schwatzen und blicken auf eine Gruppe Afrikaner, die soeben in Zelte eingewiesen wird.

Ihre Heimat Idlib ist der neue Brennpunkt im syrischen Bürgerkrieg, und Zypern das erste Land, das die Auswirkungen zu spüren bekommt. „Es kommen jetzt wieder viel mehr Syrer an“, bestätigt Georgios Kouppas, der bullige Sicherheitschef des Erstaufnahmelagers, in dem die Neuankömmlinge drei Tage bleiben. Sie werden medizinisch untersucht, müssen ihre Fingerabdrücke abgeben, Fragebögen ausfüllen. Dann werden sie entlassen. Die Zahlen seien konstant hoch, sagt Kouppas. „Pro Tag kommen 50 bis 100 Leute.“

Georgios Kouppas, Sicherheitschef des Erstaufnahmelagers.

Zypern ist das jüngste Ziel des großen Flüchtlingstrecks nach Europa

Fluchtpunkt Zypern: Die drittgrößte Mittelmeerinsel ist das jüngste Ziel des großen Flüchtlingstrecks nach Europa. Bis vor zwei Jahren galt sie als unattraktiv, weil sie zwar zur EU, aber nicht zum Schengen-Raum gehört, was die Weiterreise erschwert. Doch seit die Balkan- und vor allem die zentrale Mittelmeerroute nach Italien weitgehend dicht sind, haben Menschenschmuggler Zypern als neuen Weg entdeckt, um Flüchtlinge nach Europa zu lotsen – über das türkisch besetzte Nordzypern in den griechischen Teil der Insel. Die Migranten kommen mit Booten aus der nahen Türkei, aus dem Libanon oder mit dem Flugzeug aus Istanbul.

Die jungen Syrer, beide mit modisch gestutztem Vollbart, haben sich bewusst für Zypern entschieden, weil sie wissen, dass auf der Insel bereits viele Landsleute leben. „Sie haben uns erzählt, dass man Flüchtlinge hier willkommen heißt“, berichten sie. Sobald die Aufnahmeformalitäten erledigt sind, wollen sie möglichst schnell Geld verdienen, um auch ihren Eltern und Geschwistern einen Weg aus der Bombenhölle von Idlib zu ermöglichen. Ihre Dörfer seien zerstört, zahlreiche Angehörige bei den Angriffen von Kampfjets des syrischen Regimes getötet worden, berichten sie.

Ibrahim Jadoh (l.) und Shadi Al-Jasam sind aus Idlib entkommen.

Während sich der Student Al-Jasam das Geld für die Schlepper zusammenborgen musste, war es dem Bauernsohn Jadoh noch gelungen, vor der Flucht das Land seiner Familie an Mafiosi zu verkaufen – „für einen Appel und ein Ei“, wie er zornig sagt. Die Freunde bezahlten Schleppern je 800 US-Dollar für den Weg ins südtürkische Hatay. Über die Hafenstadt Mersin gelangten sie anschließend mit einem Schleuserboot nach Nordzypern, von dort über die grüne Grenze in den griechischen Süden, Kostenpunkt je 4500 Dollar. „Das Boot war überfüllt, es war sehr gefährlich“, erzählt Jadoh.

7761 Geflüchtete beantragten laut offiziellen Zahlen im vergangenen Jahr Asyl in der Republik Zypern – fast doppelt so viele wie 2017. Seit Jahresbeginn stieg die Zahl auf rund 1000 Gesuche pro Monat. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR kommt die Hälfte der Geflüchteten aus asiatischen Ländern wie Bangladesch, Indien oder Pakistan, rund 30 Prozent aus Syrien, die übrigen aus Afrika. Rund 11 000 Menschen sind offiziell als Flüchtlinge registriert, mehr als 15 000 Asylanträge der letzten drei Jahre noch unbearbeitet. Pro Kopf der Bevölkerung hat die griechische Republik Zypern mit ihren knapp 860 000 Einwohnern mehr Geflüchtete aufgenommen als jeder andere EU-Staat. Dabei hat das Land bereits eine lange Geschichte von Flucht und Vertreibung.

Als die Insel 1974 nach einem griechischen Putsch und einer folgenden türkischen Invasion geteilt wurde, flohen Zehntausende Menschen in die jeweils andere Hälfte. Mitten durch die Insel und ihre Hauptstadt verläuft seither die sogenannte Green Line, die von UN-Soldaten bewacht wird. In der nur von der Türkei anerkannten „Türkischen Republik Nordzypern“ existiert keine Flüchtlingspolitik, und zum Auftrag der Vereinten Nationen gehört es nicht, Einwanderer am Grenzübertritt zu hindern.

Demonstration von Asylbewerbern in Nikosia für Arbeitsmöglichkeiten und gegen Rassismus im April 2019.

In der pittoresken, teils baufälligen Altstadt von Süd-Nikosia prägen Migranten inzwischen das Straßenbild. Auch Agnes, Cliff und Kingsley haben zunächst in Alt-Nikosia gewohnt. Die drei Afrikaner sind Mitte 20, kommen aus der Stadt Kumba im westafrikanischen Kamerun und flohen vor einem brutalen Bürgerkrieg. „Im letzten November erschossen Soldaten meinen Vater und brannten unser Haus nieder“, erzählt Agnes bei einem Treffen in einem Altstadt-Café. Die zierliche Frau gehört wie ihre beiden Freunde zur christlichen englischsprachigen Minderheit Kameruns, die unter Angriffen der christlichen französischsprachigen Mehrheit leidet. „Meine Mutter ist mit meinen zwei Schwestern in den Busch geflüchtet“, sagt Agnes. Sie weiß nicht, wie es ihnen geht. Im Busch funktioniert kein Handynetz.

Agnes übernahm den Auftrag, eine Zuflucht für die Familie zu finden. Sie lieh sich 4000 Dollar von verschiedenen Freunden und wurde mit einem „Agenten“ handelseinig, der ihr im März das Flugticket und ein „Reisepaket“ organisierte. „Der Agent sagte, Zypern liegt in Europa, da bist du sicher und bekommst ein Stipendium zum Studieren.“ Am nächsten Tag landete sie in Istanbul, wo sie ein anderer „Agent“ in Empfang nahm und in eine Maschine zum Flugplatz Ercan in Nordzypern setzte. Für die Türkei brauchen Kameruner kein Visum. „Damals erfuhr ich, dass ich auf einer Insel gestrandet war“, berichtet Agnes. „Es gab keinen Studienplatz, kein Stipendium, keine Wohnung. Ich war verzweifelt.“ Drei Tage später brachte sie ein weiterer „Agent“ über die Green Line nach Süd-Nikosia. In Nikosia traf sie Cliff und Kingsley, zwei Jugendfreunde aus Kumba, die es auch nach Zypern geschafft hatten. Die drei unterstützen sich gegenseitig.

Einige Tage später, im Dorf Akaki – 20 Kilometer westlich von Nikosia. Cliff und Kingsley haben einen Tagesjob bekommen. Sie fegen und putzen eine kleine Metallwerkstatt für je 20 Euro Lohn. „Immer noch besser, als den ganzen Tag zu Hause herumzusitzen“, sagt Cliff, ein schmaler, sensibler junger Mann. Beide flohen aus Kumba, nachdem auch ihre Väter von Milizionären ermordet worden waren. Von den drei Freunden ist Cliff am längsten auf Zypern, aber es ist ihm immer noch nicht gelungen, das obligatorische „Interview“ mit dem Asyl-Amt zu führen und die Bescheinigung für den gesicherten Flüchtlingsstatus zu bekommen, der ihm ermöglichen würde, zu arbeiten und ins EU-Ausland zu reisen. „Sie vertrösten mich immer wieder.“

Cliff (l.) und Kingsley sind vor dem Bürgerkrieg in Kamerun geflohen.

Ohne den Schein dürfe er aber nur simple Arbeiten verrichten, berichtet Cliff. Er würde gern sein Pharmaziestudium fortsetzen, aber das erscheint angesichts der hohen Studiengebühren aussichtslos. Auch dem gelernten Elektriker Kingsley gefällt Zypern eigentlich. „Wenn ich nur in meinem Beruf arbeiten könnte!“, sagt er. Nachdem sie monatelang von einer überfüllten Flüchtlingswohnung zur nächsten gezogen waren, haben Cliff und Kingsley es immerhin geschafft, ein Zimmer für 400 Euro monatlich zu mieten. Doch die staatliche Unterstützung von insgesamt 360 Euro pro Kopf reicht nicht zum Überleben, und Gelegenheitsjobs sind rar.

Zypern: Schwarzarbeit, Prostitution und Kleinkriminalität boomen

Weil der Staat die Geflüchteten sich selbst überlasse, boomten Schwarzarbeit, Prostitution und Kleinkriminalität, erklärt Doros Polykarpou, Chef einer der wenigen Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die sich auf Zypern für Migranten einsetzen. Sein Verein „Kisa“ mit elf Mitarbeitern bietet Flüchtlingen kostenlose Rechtshilfe an. „Das Hauptproblem ist, dass die Regierung keine Strategie hat“, sagt der hagere Zyperngrieche.

An diesem Tag sitzt Polykarpou im Hofdurchgang seines Altstadt-Büros zusammen mit einer dreiköpfigen kurdischen Familie aus dem Nordirak. Nach ihrer Ankunft vor einem Jahr waren sie obdachlos und protestierten dagegen mit einem Hungerstreik vor dem Innenministerium. Als die Presse darüber schrieb, lenkte der Minister ein. „Man besorgte ihnen ein Hotelzimmer, aber das ist keine Dauerlösung. Sie brauchen eine bezahlbare Wohnung und die ist schwer zu finden“, sagt Polykarpou. „Bis vor zwei Jahren kannten wir gar keine Obdachlosigkeit auf Zypern. Jetzt sieht man überall Flüchtlinge in Parks und Hausruinen schlafen.“

Doros Polykarpou (Mitte) im Gespräch mit der kurdischen Familie.

Der Aktivist hat beobachtet, dass fast alle Geflüchteten auf Zypern unter dem Existenzminimum leben. „Falls sie einen Job finden, werden sie oft gnadenlos ausgebeutet. Viele Frauen sind gezwungen, sich zu prostituieren.“ Zudem errichte die Bürokratie schwer überwindbare Hürden. Drei bis fünf Jahre dauere es, bis ein Asylantrag beschieden werde. Wird er abgelehnt, hilft Polykarpos den Asylbewerbern, das Urteil anzufechten. „Aber im letzten Jahr wurden von Hunderten Einsprüchen nur sieben positiv beschieden! Viele Flüchtlinge tauchen unter in die Illegalität.“ Polykarpou räumt zwar ein, dass Zypern ein Problem mit starker Einwanderung habe. „Aber eigentlich brauchen wir die Migranten sogar, weil die zyprische Bevölkerung überaltert ist. Die Hoteliers, die Gastronomen, die Bauern – alle beschweren sich, dass ihnen Personal fehlt.“

Ganz ähnlich redet Andreas Varnavas, seit einem Jahr Chef des einzigen staatlichen Flüchtlingslagers Zyperns in Kofinou, eine halbe Autostunde vom Badeort Larnaka entfernt. Varnavas ist ein erfahrener Verwaltungsmanager, der dort 55 zu Wohnräumen umgebaute Stahlcontainer mit 400 Betten betreut, von denen derzeit 250 belegt sind. „Wir werden einer alleinerziehenden Mutter nicht zumuten, mit fremden Menschen zusammenzuleben“, sagt der 50-jährige Lagerleiter. „Aber natürlich bräuchten wir mehr Platz.“

Der Lagerchef lädt zu einem Rundgang ein, zeigt die Küchen- und den Bibliothekscontainer, verweist stolz auf zwei Spielplätze für Kinder. Zwar gebe es auch Probleme – vor allem wegen der einsamen Lage des Camps. „Die Flüchtlinge leiden an der verordneten Untätigkeit. Aber wir arbeiten mit NGOs zusammen, die ihnen hier Griechisch-, Theater- oder Computerkurse anbieten“, erklärt Varnavas und macht seinen Besucher mit dem Ehepaar Ali und Azita, beide Anfang 30, bekannt.

Die zwei Iraner aus Teheran reisten ganz legal als Touristen ein und baten dann um politisches Asyl. Sie haben neun Monate auf ihr „Interview“ mit dem Asyl-Amt gewartet. „Jetzt haben wir zwar einen Termin, aber hier passiert alles im Schneckentempo“, klagt die Softwareingenieurin Azita. Der frühere Firmenmanager Ali wird im Iran mit Haftbefehl gesucht, weil er ein Tagebuch-Blog führte, in dem er auch israelfreundliche Videos publizierte. Er hat für die allgemeine Lage nur Sarkasmus übrig. „Wir leben inmitten von Käfern und Kakerlaken, die Toiletten sind eklig, und die Langeweile erstickt dich.“

Andreas Varnavas, Lagerchef von Kofinou.
Azita, Ali und ein weiterer iranischer Flüchtling im Kofinou-Lager.
Wohncontainer im Lager von Kofinou.

Andreas Varnavas kann die Geflüchteten bis zu einem gewissen Grad verstehen. „Die Leute versauern hier und bekommen psychische Probleme. Dabei sind sie oft gut ausgebildet“, sagt er. Ginge es nach ihm, so würde er die meisten sofort in Lohn und Brot bringen. „Wenn wir doch nur endlich die Bürokratie beschleunigen könnten“, seufzt er.

Der gewaltige Rückstau von 15.000 unerledigten Asylanträgen sei die größte Herausforderung, bestätigt in Nikosia die Projektkoordinatorin Emilia Strovolidou vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Nikosia. „Die Ämter sind völlig unterbesetzt.“ Sie kritisiert auch die 2014 verfügte Familiennachzugssperre für Flüchtlinge, die keinen sicheren Asylstatus haben – also fast alle. „Das ist unmenschlich und verfehlt den Zweck, denn die Leute kommen trotzdem.“ Leider reagierten viele Zyprioten sehr negativ auf den massiven Zustrom von Geflüchteten. „Die Leute sagen, es kämen zu viele Migranten, sie brächten Kriminalität mit sich, sie würden absichtlich von der Türkei geschickt.“ Das habe auch mit der populistischen Rhetorik von Politikern zu tun. „Dabei kennen wir Flucht und Vertreibung aus eigener Erfahrung. Unser Grundproblem ist: Es gibt keine kohärente Integrationspolitik.“

Emilia Strovolidou vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Nikosia.

Konfrontiert man den südzyprischen Innenminister Constantinos Petrides mit der Kritik, wird er fuchsig. „Leider gibt es hier wie in anderen Ländern Organisationen, die am liebsten all diese Menschen integrieren wollen.“ Das aber sei auf der kleinen Insel unmöglich, sagt der 45-jährige stämmige Politiker der konservativen Regierungspartei Disy in seinem riesigen Büro in einem alten englischen Kolonialgebäude. „Die Masseneinwanderung überfordert unser System. Wir können das nicht mehr allein schultern.“ Im August hat Petrides deshalb einen SOS-Brief an die EU-Kommission und alle Mitgliedsstaaten geschickt und sie darum gebeten, seinem Land 5000 Flüchtlinge abzunehmen. Die Reaktion? „Wir sehen keine wirkliche Solidarität.“

Innenminister Constantinos Petrides in seinem Büro in Nikosia.

Zwar unterstütze die EU bereits viele Projekte mit Millionen Euro, Dolmetschern und Fachkräften. Aber der Innenminister weiß auch, dass Zypern ein einmaliger Problemfall ist. Ja, die Green Line sei löchrig wie ein Sieb, gesteht er ein. Für ihn steht aber außer Zweifel, wer die Schuld daran trägt: die Türkei. „Praktisch alle Flüchtlinge kommen über die Türkei“, knurrt Petrides. Die Regierung in Ankara wäre verpflichtet, das Loch zu schließen. „Aber sie tut es nicht.“. Und da das oberste Staatsziel Südzyperns die Wiedervereinigung ist, komme der Bau eines massiven Zauns wie in Ungarn „niemals“ infrage. Die Lage sei komplex, räumt der Minister ein, und eigentlich nur durch die Wiedervereinigung Zyperns zu lösen.

Zypern: Der globale Migrantenstrom immer näher

Doch das große Staatsziel rückt in immer weitere Ferne und der globale Migrantenstrom immer näher. Zyperns Politiker kennen die gefährliche Dynamik, weshalb sie das Thema am liebsten ganz ignorieren. Eine Ausnahme ist die Abgeordnete Skevi Koukouma von der oppositionellen sozialistischen Akel-Partei. Kürzlich hat sie sich intensiv mit der Lage Tausender Frauen von den Philippinen befasst, die seit Jahren als Haushaltshilfen auf Zypern arbeiten und trotzdem fast rechtlos sind. Als im Frühjahr bekanntwurde, dass ein Serienmörder fünf ausländische Hausangestellte umgebracht hatte, die Polizei aber alle Fahndungshinweise ignoriert hatte, habe der Skandal „wie ein Wecksignal gewirkt“, sagt sie. „Die toten Filipinas hoben den Umgang mit Migranten auf die nationale politische Agenda.“ Selbst die Regierung sehe Migranten in erster Linie als Bedrohung an. „Das schürt die Fremdenfeindlichkeit, die jene Populisten anheizen, die von einer ‚reinen‘ Insel ohne Muslime und Afrikaner fantasieren.“

Abgeordnete Skevi Koukouma von der oppositionellen sozialistischen Akel-Partei.

Eine solche Forderung spricht nicht nur der jahrtausendelangen, von Einwanderern geprägten Geschichte Zyperns Hohn. Sie widerspricht auch der Verfassung, die eine Wiedervereinigung des griechisch-christlichen und türkisch-muslimischen Inselteils vorsieht. „Integration ist unser gesetzlicher Auftrag“, sagt Skevi Koukouma. Auch ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass ein EU-Projekt jetzt erstmals Integrationskurse anbietet, in denen Geflüchtete Griechisch lernen und mit der zypriotischen Geschichte und Kultur vertraut gemacht werden. Cliff und Kingsley aus Kamerun gehören zu den ersten, die den Kurs besuchen. „Sie haben uns erklärt, wie die Gesetze Zyperns funktionieren, und wie man hier Erfolg haben kann“, berichtet Cliff. „Aber sie haben auch gesagt, dass wir keine Firmen gründen dürfen. Wie sollen wir aber dann Erfolg haben?“ Er hebt die Schultern und schüttelt den Kopf.

Fotos: Frank Nordhausen

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Seit ich Istanbul verlassen musste, pendele ich zwischen verschiedenen Orten, zu denen auch die geteilte Insel Zypern gehört. Am heutigen Sonntag finden im griechischen Süden Präsidentschaftswahlen statt, deren Ergebnis Weiterlesen